Lollsfestzug 2011: Kurzweilige Parade vor großer Publikumskulisse

Nostalgie und Lebensfreude

Ein bisschen Stadtgeschichte gehört immer dazu: Abt Lullus samt nach ihm benannter Glocke und seine Mönche marschierten gestern wieder in der Vorhut des Lollsfestzuges. Fotos: Konopka

Bad Hersfeld. Die wichtigste Nachricht zuerst: Trotz aller pessimistischen Wetterprognosen für den Montag hat es während des Lolls-Festzugs nicht geregnet.

So konnten die Zuschauer, die schon längst vor zwölf Uhr dicht gedrängt entlang der Zugroute in der Innenstadt standen, unbeeinträchtigt vom Wetter eine bunte Parade aus knapp 40 Motivwagen und Fußnummern genießen mit augenzwinkernden historischen Rückblicken, temperamentvollen Tanzeinlagen, schmissiger Blasmusik und humorvoller Selbstdarstellung von Vereinen und Verbänden.

Eine gute Figur in der Spitzengruppe der städtischen Würdenträger machte Bürgermeister Thomas Fehling. Zu seinem ersten Lollsauftritt im Amt trug er eine Ratsherrentracht im Tudor-Stil und verteilte Rosen.

Gas von der Kuh

Die Installations-Abteilung der Kreishandwerkerschaft präsentierte ihre Antwort auf den Klimawandel: Bio-Gas direkt von der Kuh und Solarenergie, dargestellt von einer Damenriege mit gelben Sonnenhüten. Die männlichen Handwerker fachsimpelten in einer altertümlichen Badewanne mit Kohleofen.

„Lullus und Luther – Bad Hersfeld ist super“ dichtete die evangelische Geistlichkeit der Stadt und präsentierte einen Wagen mit Renaissance-Reigen, Weihrauch aus dem Maxi-Kessel und spirituellen Gesängen. Noch tiefer in der Vergangenheit der Stadt schürften das Tanzstudio Birgitt Fründ und schickte Steinzeitmädels mit knochengeschmückter Frisur auf die Parademeile.

Maritime Stimmung

Maritime Stimmung verbreiteten die Frauen und Männer des Shanty-Chors der Marinekameradschaft von ihrem flaggengeschmückten Boot aus. Sie wurden verstärkt durch Besatzungsmitglieder des Schnellboots „Zobel“, die ihre flüssige Marschverpflegung im Handwagen transportierten.

Einen Hauch von weiter Welt vermittelten auch die Mitglieder des Interkulturellen Zentrums (IkuZ) mit orientalischen Tänzerinnen und indonesischen Bambus-Instrumenten. Die Herren vom Radsportverein Bad Hersfeld in nostalgischem Outfit, unter ihnen auch der Landtagsabgeordnete Torsten Warnecke, machten mit ihrem pedalgetriebenen Gruppenfahrzeug deutlich, dass Fahrradfahren den Teamgeist stärken kann. Nostalgisch wirkten auch die als Damen verkleideten Männer der Hersfelder Schützengilde in ihren Biedermeierkleidern und Hauben, die Schützenkönigin Nicole das Geleit gaben.

Geschichten aus vergangenen Zeiten lebendig werden ließen der Wagen der Festspiele, auf dem an den Kloster-Krimi „Der Name der Rose“ erinnert wurde, und die rollende Bühne von wortreich und Stadtmarketing, auf der das tapfere Schneiderlein und einer der Märchen sammelnden Grimm-Brüder agierten.

Die Freuden des Karnevals beschworen Aktive des TV Hersfeld mit ihren Schlafmützen und Traumtänzern sowie des TSV Sorga, zu denen sich unter anderen die Gallier Asterix und Obelix gesellt hatten. Karnevalistisch-fröhlich ging es auch im Tanzcafé der Lax-Siedler zu.

Pure Lebenfreude schließlich vermittelten die Männer und Frauen der Lebenshilfe mit ihren spontanen Straßentänzen.

Kurze Platzkonzerte

Die gute Laune unter den Zuschauern heizten die begleitenden Marsch- und Musikformationen an: Das Musikcorps Ufhausen, wie immer in prächtigem Rot uniformiert und mit ausgefeilter Marsch-Choreografie, der blauweiße Musikzug Eiterfeld und Arzell, der Stadtmusikverein Bad Hersfeld und der Fanfarenzug Hofgeismar. Staubedingte Stopps im Festzug nutzten die Kapellen für kurze Platzkonzerte.

Stadtsoldaten und Mönche, reitende Herolde, fröhliche Sportjugend aller Altersklassen aus den lokalen Vereinen , die fröhlichen Sängerinnen des russlanddeutschen Frauenchors Rjabinuschki oder die Kirmesburschen aus Beiershausen mit ihrem fortwährenden Konfettiregen bereicherten die Lolls-Parade auf vielen Positionen.

Der letzte Motivwagen war wie immer den Schaustellern des Lullusfestes vorbehalten, auf dem Pfarrer Volker Drewes die Drehorgel spielte.

 Lokalseiten 6 + 7

Von Peter Lenz

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