Montagsinterview mit Pfarrer Holger Grewe über den Reiz des „Nachfreuens“

Noch ist Weihnachtszeit

Ja, ist denn noch Weihnachten? Für Pfarrer Holger Grewe schon – und dabei hat er die Bibel auf seiner Seite. Das möchte er den Menschen jetzt wieder ins Bewusstsein rücken. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Kaum ist die Geschenkeschlacht geschlagen und das letzte Gänsebein verschlungen, ist für viele Menschen das Weihnachtsfest auch schon wieder vorbei. Dabei sind die Feiertage aus evangelisch-kirchlicher Sicht erst der Beginn der Weihnachtszeit. Wir sprachen mit Pfarrer Holger Grewe aus Bad Hersfeld, der Weihnachten in diesem Jahr besonders ins Bewusstsein rücken möchte.

Herr Pfarrer Grewe, Sie haben im Gottesdienst an Heiligabend angekündigt, den Menschen auch nach den Feiertagen noch „Gesegnete Weihnachten“ zu wünschen. Wie kommen Sie dazu?

Holger Grewe: Weihnachten bedeutet ja Weih-Nächte. Das sind die zwölf geweihten Nächte zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar. Insofern geht die Zeit also weiter, weil jede Nacht so ihre eigene Bedeutung hat. Und deswegen sage ich auch vollen Herzens: „Gesegnete Weihnachten“.

Das gibt die Bibel also her. Aber wieso ist es dann im Bewusstsein der Menschen nicht stärker verankert?

Grewe: Es gibt das Kirchenjahr her. Im Bewusstsein ist dies nicht stärker verankert, weil sich aus meiner Sicht die Art zu feiern geändert hat. Mit dem bürgerlichen Weihnachten hat sich der Fokus auf die Geschenke an Heiligabend und vielleicht noch auf die beiden Weihnachtstage verschoben. Und vorher wird ja auch schon Weihnachten gefeiert. Es wird also vorgefeiert und dann am Höhepunkt ist es schon zu Ende. So hat sich das entwickelt und ist deshalb nicht mehr im Bewusstsein der Menschen.

Was sind Ihre Beweggründe, jetzt auf die längere Dauer von Weihnachten verstärkt hinzuweisen?

Grewe: Ich finde, Nachfreuzeiten haben was für sich. Also nicht nur auf einen Punkt hinzuhetzen und dann zu sagen: Jetzt ist alles zu Ende und ich motte alles ein. Sondern sich mal wirklich darüber zu freuen, dass da der Weihnachtsbaum steht oder die Krippe und mal zu überlegen: Was bedeutet das für mich? Was bedeuten die Personen an der Krippe oder die Ereignisse, die an Weihnachten passiert sind? Sich darüber hinaus einfach mal Zeit zu nehmen für mich oder andere Menschen, das hat was.

Haben Sie schon Reaktionen erhalten auf das, was Sie da praktizieren?

Grewe: Ich habe schon ganz fleißig „Gesegnete Weihnachten“ gewünscht, und die Leute stutzen natürlich erst einmal. Eine Frau im Supermarkt hat gefragt: „Weihnachten? Jetzt wird doch irgendwie ein guter Rutsch gewünscht ...“ Ne, sag ich, Weihnachten geht noch weiter, aber das mit dem guten Rutsch kann ich natürlich auch noch dazu sagen. Es stößt die Leute also so ein bisschen an, und manche machen auch mit und haben mir auch nach den Feiertagen noch „Frohe Weihnachten“ gewünscht.

Wann ist denn Weihnachten für Sie nun wirklich zu Ende?

Grewe: Es gibt zwei Stufen. Also Weihnachten, die geweihten Nächte, gehen bis zum 6. Januar. Dann gibt es aber noch die Weihnachtszeit, die endet nach evangelischem Verständnis erst zehn Wochen vor Ostern. Sie heißt „Epiphaniaszeit“. Epiphanias ist landläufig als Heilige Drei Könige bekannt, aber ich vermeide als Evangelischer diesen Begriff, weil weder „drei“ noch „Könige“ in der Bibel steht. Ich spreche immer von den Weisen, den Magiern oder den Zauberern aus dem Morgenland.

Sie setzen im Gottesdienst aber auch noch einen richtigen Schlusspunkt unter Weihnachten ...

Grewe: Genau. Am 20. Januar, dem letzten Sonntag in der Weihnachtszeit, werden wir um 17 Uhr noch einmal das Krippenspiel aufführen. Die Kinder schlüpfen dann aus ihren Rollen, und wir verabschieden uns sowohl vom Christbaum als auch vom Friedenslicht und der Krippe. Und dann wird alles eingepackt und der Christbaum darf geplündert werden.

Von Karl Schönholtz

Kommentare