Interview: Frauenbeauftragte Ute Boersch will die Männer nicht vernachlässigen

Sie hat noch viel zu tun

„Frauenleben ist bunt“, sagt Frauenbeauftragte Ute Boersch. Das Bild im Hintergrund soll dies symbolisieren. Foto: Maaz

Hersfeld-Rotenburg. Ute Boersch ist seit dem 1. Februar die neue Frauenbeauftragte und Leiterin des Frauenbüros Hersfeld-Rotenburg. Die 49-Jährige vertritt die Interessen der Mädchen und Frauen im Kreis und intern auch die Interessen der Kolleginnen in der Kreisverwaltung. Im Interview sprach Boersch jetzt über ihre Motivation und ihre Ziele.

Warum brauchen wir eigentlich eine Frauenbeauftragte?

Ute Boersch: Eine sehr gute Frage, die häufig gestellt wird. Sie lässt sich kurz und knapp beantworten: Schon viel getan, noch viel zu tun. Wenn man sich die vergangenen hundert Jahre und mehr anschaut, ist ja wirklich bereits eine Menge geschehen. Und es geht uns Frauen heute natürlich deutlich besser. Trotzdem ist der gesetzlich vorgegebene Gleichberechtigungsauftrag noch nicht wirklich erfüllt und schon gar nicht in allen Lebensbereichen. Das braucht noch einige Zeit.

In welchen Bereichen werden Mädchen und Frauen denn noch benachteiligt?

Boersch: Gesetzlich haben wir überall die Gleichberechtigung eingeführt. Tatsächlich sieht es aber noch immer anders aus. Nach wie vor gibt es Unterschiede bei der Bezahlung. Nicht nur, dass Frauen häufiger im Niedriglohnsektor arbeiten als Männer, es gibt immer noch Bereiche, in denen Frauen für dieselbe Arbeit tatsächlich weniger Geld bekommen. Das finde ich äußerst ungerecht. Außerdem ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerade für Frauen nach wie vor ein wichtiges Thema, auch wenn sich in den vergangenen Jahren schon einiges verbessert hat. Eine tatsächliche partnerschaftliche Aufteilung von Familienarbeit und Karriere ist jedoch noch längst nicht erreicht.

Was hat Sie an der Stelle als Frauenbeauftragte gereizt?

Boersch: Frauenthemen waren schon immer meine Themen, da kommt frau doch auch gar nicht drum herum, oder? (lacht) Ich habe in den vergangenen Jahren mit Frauen in ganz verschiedenen Zusammenhängen gearbeitet. Frauenleben ist einfach bunt und das finde ich toll und spannend. Und ich sehe es als Herausforderung an, für tatsächliche Gleichberechtigung zu arbeiten.

Welche Ziele und Schwerpunkte wollen Sie setzen?

Boersch: Beim Vorstellungsgespräch bin ich gefragt worden, was ich mir wünschen würde, wenn eine gute Fee vorbeikäme und ich drei Wünsche frei hätte. Das Erste, was mir spontan einfiel, war: Mehr Akzeptanz und Toleranz der Frauen untereinander für ihre unterschiedlichen Lebensentwürfe. Zweitens würde ich mir ein Ende der immer noch vorkommenden Gewalt gegen Frauen wünschen und eine bessere Förderung der entsprechenden Unterstützungssysteme wie Frauenhäuser und Beratungsstellen. Drittens: Keine Frau sollte in Armut leben müssen. Frauen sind immer noch häufiger von Armut betroffen als Männer, vor allem dann, wenn sie plötzlich mit ihren Kindern alleine dastehen und der Mann traditionell der Versorger war.

In letzter Zeit ist die Forderung lauter geworden, die Jungenförderung nicht zu vergessen - werden die Jungs heute benachteiligt, da alle nur auf Mädchen und Frauen schauen?

Boersch: Ich glaube nicht, dass wir nur auf Mädchen und Frauen schauen. Ich bin ja selbst Mutter eines Sohnes, der zum Beispiel auch für Männer eine Beschäftigungsquote fordert. Es geht darum, zu schauen, wie sind die Lebensumstände für Mädchen und Jungen, für Frauen und Männer? Dann kommen wir tatsächlicher Gleichberechtigung näher.

Was ist denn für Sie eine moderne Frau?

Boersch: Alle Frauen in ihrer ganzen Vielfalt und Unterschiedlichkeit. Es sollte kein fest gefügtes Bild geben. Ich stelle mir die moderne Frau etwa so vor: Sie entscheidet eigenverantwortlich, sie kann studieren, einen Beruf ausüben, alleine wohnen, sich verlieben, Steuerklärungen machen, Beziehungen eingehen und sich auch trennen, wenn es ihr Leben nicht mehr bereichert, Kinder kriegen und entscheiden, ob alleine oder in Partnerschaft.

Das Frauenbüro mit Ute Boersch und Else Kranz-Kroker ist im Landratsamt in Bad Hersfeld untergebracht und montags bis freitags geöffnet, Telefon 06621/87-308 oder 87-300, frauenbuero@hef-rof.de.

Von Nadine Maaz

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