Taxifahrer Heinz-Wilhelm Jakob erlebt zu Lolls Kurioses mit betrunkenen Fahrgästen

Mit 55 noch adoptiert

Hat die Ruhe weg: Die Fahrgäste von Heinz-Wilhelm Jakob stehen gerade in der Lolls-Woche oft unter Alkoholeinfluss. „Meistens ist es lustig, manchmal gibt es aber auch Ärger“, sagt er. Foto: Künemund

Bad Hersfeld. Ein Ehepaar aus Kirchheim will einen 55-jährigen Bad Hersfelder adoptieren. Gibt’s nicht? Doch – und zwar zu Lolls. Von dieser und vielen weiteren lustigen Begebenheiten berichtet Heinz-Wilhelm Jakob. Er fährt seit 14 Jahren Taxi, aktuell für den Taxi Service Bad Hersfeld. „Gerade zum Lullusfest erlebe ich schon echt kuriose Dinge mit betrunkenen Fahrgästen“, sagt Jakob.

Die besagte Szene spielte sich am Lollsmontag ab. Unterwegs nach Kirchheim hörte ein Ehepaar mittleren Alters einen Funkspruch in Jakobs Wagen. Ihm wurde klar, dass ihr Sohn und seine Freundin abgeholt werden wollten. Auf die Bitte der Eltern hin kehrte der Bad Hersfelder um und sammelte die jungen Leute ein. „Vater und Mutter des Jungen waren mir derart dankbar, dass sie mir angeboten haben, mich zu adoptieren. Zu jeder Familienfeier soll ich ab sofort kommen“, erzählt Heinz-Wilhelm Jakob.

Als er eine ältere Dame vom Lullusfest nach Hause fahren sollte, trat er spontan als Schlichter eines Familienstreits auf. Der Sohn der zirka 70-Jährigen hatte gegen ihren Willen ein Taxi geordert, weil er sie für zu betrunken hielt. „Die Frau bestand darauf, zu bleiben und sich als Mutter nichts von ihrem Sohn befehlen zu lassen. Ich gab ihr recht und beruhigte ihn ein wenig“, sagt Jakob. Daraufhin habe sie ihren Fahrer auf ein Getränk eingeladen und gesagt: „Siehst du, er weiß, was sich gehört.“

Es gibt auch mal Ärger

Doch nicht immer läuft alles so glimpflich ab. „Manche Fahrgäste pöbeln, übergeben sich oder prellen die Rechnung“, moniert Jakob. Das aber sei die Minderheit. „Ich weiß, wie ich mit angetrunkenen Personen umzugehen habe, und oft sind die witzigen Gespräche eine willkommene Abwechslung für mich“, sagt Jakob.

Geschäftsführer Gregor Smolorz, der nur noch selten selbst Taxi fährt, erinnert sich an eine Geschichte aus dem Vorjahr. „Ich habe zwei Kumpels auf den Johannesberg heimgefahren. Der eine stieg aus, der andere schlief auf der Rückbank“, sagt Smolorz. Die Bezahlung hat er beim Verlassen des Fahrzeugs übernommen und die Adresse seines Freundes mitgeteilt. „Dort sollte ich ihn rauslassen, das habe ich auch versucht.“ Nach mehrfachem Rütteln wachte der junge Mann auf. „Er hat mich geschubst und gesagt, ich soll von seinem Auto weggehen“, erinnert sich Smolorz. Erst nach fünf Minuten Diskussion und den Hinweisen aufs leuchtende Taxi-Schild am Dach hat der Fahrgast eingesehen, dass er falsch liegt. Er sagte zum Abschied: „Vielen Dank, Sie sind aber ein wirklich netter Taxifahrer.“

Besonders jetzt am zweiten Lolls-Wochenende dürften die Taxifahrer in Bad Hersfeld also nochmal einiges zu tun haben – und zu lachen.

Von Florian Künemund

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