Bad Hersfelder Festspiele: „Mondlicht und Magnolien“ lebt von der Top-Besetzung

Mit Niveau gerockt

Arbeiten an der letzten Szene von „Vom Winde verweht“, nachdem sie fünf Tage lang durchgeackert haben: Regisseur Victor Fleming (Thomas Gimbel), Drehbuchautor Ben Hecht (Nikolaus Kinsky) und Filmproduzent David O. Selznick (Dirk Glodde, von links). Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Sie wollten den Eichhof rocken, und das ist ihnen gelungen. Mit „Mondlicht und Magnolien“ haben die 63. Bad Hersfelder Festspiele in ihrer Außenstelle Schloss Eichhof wieder eine zum Teil brüllend komische, aber ebenso anspruchsvolle und auf hohem Niveau angesiedelte Komödie im Programm. Und das liegt vor allem an den Darstellern.

Figuren mit eigenem Charme

Dank Dirk Glodde, Thomas Gimbel, Nikolaus Kinsky und Charlotte Puder gerät das Schauspiel, in dem es um die Verfilmung des Bestsellers „Vom Winde verweht“ geht, nicht zur seichten Unterhaltung. Glodde als extrem unter Druck stehender Filmproduzent David O. Selznick, Gimbel als leicht überheblicher Regisseur Victor Fleming, Kinsky als Drehbuchautor Ben Hecht mit moralischem Anspruch und Puder als naiv-motivierte Sekretärin Miss Poppenghul sind ein tolles Team. Und doch hat jede Figur für sich ihren eigenen Charme.

Zwar dauerte es etwas, bis der Funke auf das Publikum übersprang, aber spätestens als Glodde als Selznick und Gimbel als Fleming anfingen, die Geschichte um Südstaatenschönheit Scarlett O’Hara, Rhett Butler, Ashley Wilkes und Melanie vorzuspielen, weil der Autor den Roman nicht kennt, ihn aber in nur fünf Tagen zu einem Drehbuch verarbeiten soll, war es soweit.

Dass die Grenze zum Klamauk trotz munterem Ohrfeigenreigen und einem schwitzenden Dirk Glodde im rosafarbenen Prinzessinnenkleid nicht überschritten wird, liegt an den durchaus ernsten Hintergründen, die das Stück mit einem Augenzwinkern gut rüberbringt: Bürgerkrieg, Sklaverei, Diskriminierung, Versagens- und Existenzängste sowie der Traum vom Ruhm und die nur scheinbar schillernde Filmindustrie Hollywoods, das im Stück als „vergoldete Kloake“ bezeichnet wird.

Großen Raum nimmt etwa der Streit um die Ohrfeige ein, die Scarlett O’Hara dem schwarzen Dienstmädchen Prissy gibt, als diese ohne Arzt und zu spät zurückkommt, während O’Hara versucht der gebärenden Melanie zu helfen. Das will Autor Hecht so nicht stehen lassen und er schickt sich an, den Dialog zugunsten einer Diskussion rund um die Diskriminierung der Schwarzen in Amerika umzuschreiben. O’Hara hält er für ein fremdgehendes Flittchen, das sich nun auch des Kindesmissbrauchs schuldig machen würde ...

Kleine Anspielungen im Text verbinden „Mondlicht und Magnolien“ mit den anderen Festspielstücken der laufenden Saison.

Eine gute Idee war es von Regisseurin Constanze Kreusch, die Handlung nicht wie im Original in einem Büro, sprich: einem geschlossenem Raum, spielen zu lassen, sondern am Set von „Der Zauberer von Oz“, an dem Regisseur Fleming gerade dreht, als er von Selznick abberufen wird.

Für Selznick sind Filme ein Wunder, Lichtpünktchen auf Zelluloid. Ein Wunder ist „Mondlicht und Magnolien“ vielleicht nicht, aber vor allem dank der Top-Besetzung sehr gute und professionelle Unterhaltung. Die Macht hat ohnehin allein das Publikum, wie Selznick feststellt. Und das spendete nach der Premiere langanhaltenden Applaus.

Von Nadine Maaz

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