Annett Lüllepop stellt das paradiesische Gefühl im Bad Hersfelder Museum aus

Das Nirgendwo ist überall

Bunt wie das Leben: Annett Lüllepop will die Schönheiten der Realität in surreal abbilden. „Für Details sind viele blind“, sagt die Künstlerin, die den Blick des Betrachters auf das Positive richten will. Fotos: Schleichert

Bad Hersfeld. Das Paradies ist überall. „Oft da, wo man es nicht vermutet“, sagt Annett Lüllepop und öffnet einen großen Umzugskarton. Hinter unscheinbarer Pappe verbirgt sich das Paradies der Künstlerin: Sie hat es mit dem Pinsel auf Leinwand gebracht. Am morgigen Sonntag eröffnet sie ihre Ausstellung „Safari ins Paradies“ im Museum der Stadt Bad Hersfeld.

Die 37-jährige Künstlerin fasst ihre Werke an, als seien alle Illusionen vom Land ihrer Träume zerbrechlich wie ein rohes Ei: Gemälde, Holzfiguren und Kult-Masken kommen zum Vorschein. Giraffen und Raubkatzen und Menschen, wie die Natur sie schuf, staffieren die Tropenwälder in Acryl. Annett Lüllepop holt die Besucher an der Museumstür ab. Mit dem Jeep. Ihre Safari streift durch bunte Welten, die surreal wirken, aber die Realität widerspiegeln.

Mauritius hat sie inspiriert. Doch was die gelernte Dekorateurin abbildet, sind keine Urlaubserinnerungen, von sanften Ozeanen und wilden Tieren: „Das Paradies ist kein Ort, es ist ein Zustand“, sagt Lüllepop und die Lachfältchen kräuseln sich um ihre Augen.

Lüllepop malt das Schöne, die Sonnenseite unserer Erde. Schon mit 16 Jahren saß sie an der an der Steilküste, blickte auf die stille Ostsee – und war so fasziniert von der Schönheit, dass sie zum Pinsel griff. „Man hat mich dabei beobachtet und gefragt, ob ich meine Aquarelle nicht ausstellen wolle“, erzählt sie.

Die Malerin aus Staufenberg in Südniedersachsen hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Wie schön das Leben ist, sollen die Betrachter ihrer Ausstellung fühlen. „Wer meine Bilder ins Wohnzimmer hängt, soll sich daran erfreuen“, sagt Lüllepop, „grausame Bilder sehen wir zu oft.“

Das Schöne, das oft unsichtbar ist, will Lüllepop sichtbar machen: „Ich glaube, wir nehmen nur ein Prozent von dem wahr, was wirklich um uns passiert“, erklärt sie. Ihre Kunst ist authentisch, denn sie ist so wie sie selbst: Ihr Name klingt nach Sahnebonbons, ihre Augen strahlen wie die Sonne in den Bildern und ihre Haare leuchten wie die Farben, die sich auf der Leinwand zum Paradies vermischen. Das Museum der Stadt Bad Hersfeld, Im Stift 6, zeigt die Ausstellung „Safari ins Paradies“ von Sonntag, 30. Januar, bis Sonntag, 13. März. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 12 Uhr sowie 15 bis 17 Uhr.

Von Pia Schleichert

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