Mini-Jobs und Teilzeit: Gewerkschaften kritisieren Entwicklung

Niedriglohn-Jobs sind Frauensache

Hersfeld-Rotenburg. Frauen haben im Landkreis Hersfeld-Rotenburg laut der Gewerkschaften Verdi und NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) die schlechteren und die schlechter bezahlten Jobs. „Sie werden in Teilzeit- und Mini-Jobs gedrängt“, kritisieren sie die Entwicklung der vergangenen Jahre.

Verdi und NGG haben das Pestel-Institut beauftragt, die regionale Arbeitsmarktsituation zu beurteilen. Demnach seien lediglich 32 Prozent aller Vollzeitstellen im Kreis Hersfeld-Rotenburg mit Frauen besetzt. Ganz anders bei den Teilzeit- und Mini-Jobs, mit einem Frauenanteil von 75 Prozent. „Frauen machen rund 6 730 Mini-Jobs im Landkreis. Gerade hier ist das Niedriglohn-Risiko am höchsten: Zwei von drei Mini-Jobs werden mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde bezahlt. Oft liegen sie sogar weit darunter“, sagt Angelika Kappe, Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Osthessen. Sie spricht von einer „Niedriglohn-Schicht“, die vom „fair bezahlten und anständigen Arbeitsmarkt“ abgekoppelt werde.

„Arbeitsplätze, von denen man leben kann, werden systematisch abgebaut. Mini-Jobber übernehmen die Arbeit von Vollzeitkräften. Jobs werden zerschlagen, Löhne gedrückt“, sagt auch Andreas Kampmann, Geschäftsführer der NGG-Region Nordhessen. Laut des Pestel-Instituts habe die Zahl der Mini-Jobs in den vergangenen zehn Jahren um 46 Prozent zugenommen.

Doppelt so viele Mini-Jobber wie vor zehn Jahren listet die Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda für den Landkreis auf. Die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten sei allerdings fast konstant geblieben. „Oft nutzen Hausfrauen, Schüler, Studenten oder Rentner, aber auch Erwerbstätige und Arbeitslose diese Beschäftigungsform als Möglichkeit, etwas hinzuzuverdienen“, so die Pressesprecherin der Agentur, Luzia Kremser.

Hintergrund, Zum Tage, Seite 2

Von Nadine Maaz

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