Landwirte können Kosten für Produktion nicht decken

Niedriger Milchpreis macht Bauern Sorgen

Hersfeld-Rotenburg. Der niedrige Milchpreis bereitet den Landwirten im Kreis Sorge. Rund 28 Cent pro Liter bekamen die Bauern zuletzt ausgezahlt – über 40 müssten es sein, um rentabel wirtschaften zu können, sagt Klaus Vetter, Mitglied im Landes- und Kreisvorstand des Bundesverbandes deutscher Milchviehhalter.

Dass die Landwirte im Kreis aktuell unter dem niedrigen Preisniveau leiden, bestätigt auch die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, Anke Roß. Gestiegenen Ausgaben für Futter und Diesel stünden fallende Milchpreise gegenüber. Alleine der russische Importstopp senke den Milchpreis um rund vier Cent pro Kilogramm, berichtet Roß. Weitere Gründe seien die gesunkene Nachfrage in China und der Umstand, dass billige Milch von den Discountern noch immer als Lockangebot genutzt werde, sagt die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes.

Auch ohne das russische Embargo und das eingebrochene China-Geschäft wäre immer noch zu viel Milch auf dem Markt, meint hingegen Klaus Vetter. Die niedrigen Preise träfen dabei große und kleine Betriebe gleichermaßen, berichtet der Landwirt aus Breitenbach/H. Große Höfe hätten durch Löhne oder Kreditzinsen andere Kostenstrukturen, während bei kleinen Familien am eigenen Einkommen gespart werde. „Die Familienbetriebe schnallen den Gürtel buchstäblich enger“, betont Anke Roß. Derzeit lebten die Landwirte aus der Rücklage oder schöben notwendige Investitionen auf. Sollte die Talfahrt der Milchpreise weiter anhalten, blieben langfristig Höfe auf der Strecke, fürchten Roß und Vetter. Das würde gerade auch Betriebe in unserem Kreis treffen, die durch die kleinen und schwierig zu bewirtschaftenden Mittelgebirgsflächen gegenüber den Ballungszentren der Milchindustrie in Nord- und Süddeutschland einen Wettbewerbsnachteil hätten.

Zum Tage, Seite 2

Von Jan-Christoph Eisenberg

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