Einsatz in Haiti: Alena Knauff aus Bad Hersfeld hilft Erdbebenopfern direkt

Nichts ist mehr normal

Vor ihrem Einsatz in Haiti war Alena Knauff in einer Suppenküche in Vancouver tätig.

Port au Prince/Bad Hersfeld. Nun bin ich endlich in Port au Prince angekommen und mir geht es gut. Wir wohnen auf dem Grundstück eines Waisenhauses mit etwa 120 Kindern auf der Wiese in Zelten. Die Kinder schlafen auch in Zelten, weil sie sich dort sicherer fühlen. Außerdem steht hier eine Kirche, welche nun als Klinik genutzt wird. Ein Ärzteteam von YWAM ist vor Ort. Die YWAM-Basis existiert erst seit ein paar Wochen und wir sind eines ihrer ersten Teams.

Am ersten Abend waren wir bei dem Direktor, Mr. Peterson, zu Hause , er ist selbst von hier und (...) hat uns in die Projekte und seine Visionen eingeführt, das war sehr bewegend.

Zusammengebrochen

Port Au Prince ist komplett zusammengebrochen; keine Ausbildung, keine Arbeit, keine Unterkunft, hier ist einfach nichts mehr normal. Aber was er uns erklärt hat – und was auch ich gesehen habe – ist, dass das Leben der Menschen schon vorher ziemlich einfach war, dies wird auch deutlich, wenn man etwas in die Geschichte schaut. Die Menschen verhalten sich fast noch wie Sklaven und sagen, sie glauben an Gott, aber praktizieren Vodoo. In Saint Marc waren wir in einem Gefängnis, wir haben mit einem vierzehnjährigen Mädchen gesprochen, sie ist dort, weil sie ein Baby geklaut hat, um es dann zu opfern (Vodoo). Das ist hier nicht selten. Es gibt hier kaum Musik, keine Bilder, keine Art von Kunst, die Menschen scheinen oft sehr unlebendig. Mr. Petersons Vision ist es, wieder Leben in dieses Land zu bringen.

Ein weiteres Problem ist, dass die UN viel Essen hier her senden, aber es zu wenig Menschen gibt, die das Essen strukturiert verteilen, wie wir es zunächst in Saint Marc gemacht haben. Es gibt genug Essen, aber trotzdem verhungern die Menschen hier. Gestern waren wir mit Mr. Peterson in einer der Zeltstädte. Ich würde es eigentlich nicht so nennen, denn die Zelte sind aus kaputten Planen und Autoteilen gebaut und wirklich nicht wasserfest, wenn die Regensaison bald beginnt. Von den Spenden, die bisher hier in der Base angekommen sind, konnten viele große wasserfeste Zelte gekauft werden. Wir haben mit einigen Übersetzern und noch ein paar anderen starken freiwilligen Helfern von YWAM 17 große Zelte aufbauen können. Doch noch viel wichtiger ist, dass wir den Leuten auch beigebracht haben, wie man das macht und ihnen die Utensilien gegeben haben, so dass heute nur noch ein Teil unseres Teams dort ist, um etwas zu helfen.

Beten war ihnen wichtig

Währenddessen habe ich mit einem Übersetzer und noch einem Freund, der etwas erfahrener ist, einzeln mit einigen gesprochen. Sie haben uns erzählt, wie es ihnen geht und wie es ihnen ergangen ist während des Bebens. Wir konnten mit ihnen beten, was ihnen wichtig war. Morgens schien vieles unmöglich, und abends war ein kleines neues Dorf gebaut.

Eben habe ich mit ein paar YWAM-ern gesprochen, die hier filmen und Projekte an Teams vermitteln. Sie waren gerade in einem Waisenhaus, welches komplett zerstört ist und in dem die Kindern noch gar kein Essen bekommen haben. Wir versuchen, verschiedene Projekte zu unterstützen und zu helfen, so gut es geht. Und ich bin so froh, dass wir auch viele Missionare von hier haben, die sich hier auskennen.

Es ist fast ein Wunder, das es hier Internet gibt und dass es gerade solange funktioniert hat, dass ich diese Zeilen schreiben konnte.

Es freut mich zu schreiben und etwas von meinen Erlebnissen (...) zu teilen.

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