Montagsinterview mit Ben Becker zu seinem Gastspiel in Bad Hersfeld

Nicht bei Whisky und Wein

Zweistimmig: Am 22. November gastiert Ben Becker mit dem Klarinettisten Giora Feidman in der Schilde-Halle. Ihr Programm dreht sich um Gedichte von Paul Celan. Foto: Arne Meister/nh

Bad Hersfeld. Mit einer musikalisch untermalten Hommage an den Dichter Paul Celan gastiert der Schauspieler Ben Becker am Samstag, 22. November, in der Bad Hersfelder Schilde-Halle (Beginn 19.30 Uhr). Sein Partner in dem Programm mit dem Titel „Zweistimmig“ ist der bekannte Klarinettist Giora Feidman. Redakteur Karl Schönholtz hatte jetzt die Gelegenheit, Ben Becker am Telefon zu interviewen.

Guten Tag, Herr Becker!

Ben Becker: Guten Tag, Herr Schönholtz.

Mmmh. Woher weiß ich eigentlich, dass Sie wirklich der Ben Becker sind und nicht nur jemand, dessen Stimme so klingt wie die von Ben Becker?

Becker: Sie wären der Erste, bei dem es mir gelänge zu behaupten, ich wäre es nicht. Telefonstreiche sind mit meiner Stimme leider nicht mehr möglich.

Okay, das überzeugt mich. Ich habe dann auch gleich eine investigative Frage: Wissen Sie eigentlich, wo Bad Hersfeld liegt oder sind Sie gar schon mal hier gewesen?

Becker: Ich bin geographisch total schlecht. Ich weiß nur, dass man da im Sommer Theater spielen kann und dass es bei mir nie geklappt hat.

Ihr Programm ist Paul Celan gewidmet. Wie sind Sie auf ihn gekommen?

Becker: Das ist schon drei Jahre her. Bei einem Thomas-Bernhard-Festival habe ich mich nächtelang mit Raimund Fellinger, dem Cheflektor des Suhrkamp-Verlages unterhalten und dabei sind wir auf Celan gekommen. Das fand ich irgendwie spannend und wollte dann einen Abend draus machen. Ich habe Dr. Fellinger gebeten, mir eine Auswahl von Celans Texten zu schicken, die funktionieren könnte. Ich habe dann gesagt, das gefällt mir und das gefällt mir nicht. Weil ich theatralisch besser bin als Herr Fellinger, habe ich dann einen dramaturgischen Bogen hineingezogen, weil man Celans Gedichte nicht einfach stupide herunterlesen kann. Das bringt keinen weiter.

Was fasziniert Sie an seinen Texten?

Becker: Wenn man den Versuch macht, sie zu verstehen, wenn man fragt, wer hat diese Texte geschrieben und warum, wenn man fragt, wer hat da so gelitten und wenn man dann so verzweifelt, dass man sich von einer Brücke stürzen muss, das interessiert mich.

Gibt es ein Lieblingsgedicht?

Becker: Nee, das kann ich so nicht so sagen. Das ist ein melancholischer, trauriger Abend. Zu lachen gibt’s da leider wenig. Der gefällt mir als Ganzes. Es geht eine Schönheit und Tiefe von diesen Gedichten aus, die bewegt. Aber ich weiß nicht, ob man sie lieben kann.

Wie findet man die passende Musik? Setzt man sich da mit Herrn Feidman zusammen und hört bei einem Glas Wein oder Whisky zwei Dutzend CDs durch?

Becker: Nee. Man trifft sich mit Herrn Feidman und seinen Musikern und sagt, worum es geht und was man braucht, und dann hat Herr Feidman einfach Vorschläge gemacht. Und so tastet man sich da ran, also nicht bei zwei Whisky und einem Glas Rotwein, sondern indem man sich morgens um zehn hinsetzt und anfängt zu arbeiten, wenn ich das so zurückschieben darf, diese kleine Spitze Ihrerseits.

Verstanden! Sagt Ihnen der Name Dieter Wedel etwas?

Becker: Ja

Der ist jetzt Intendant der Bad Hersfelder Festspiele.

Becker: Ja.

Angenommen, Herr Wedel würde Herrn Becker gerne für die Bad Hersfelder Festspiele verpflichten, wie stünden die Chancen?

Becker: Das würde ich mit Herrn Wedel besprechen wollen und nicht in der Presse.

Na, Sie können ja nochmal überlegen. Bei Ihrem Besuch in Bad Hersfeld fragen wir nochmal nach.

Becker: Ja, das kann man durchaus machen. Denn es ist ja nicht unspannend, was Herr Wedel da macht.

Karten gibt es in der Geschäftsstelle der Hersfelder Zeitung, Benno-Schilde-Platz 2, an allen Vorverkaufsstellen und im Internet unter www.eventim.de

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