Knigge-Beraterin Petra Schreiber weiß, welche Umgangsformen noch zeitgemäß sind

Nicht zu sexy ins Büro

Tischmanieren kann man auch heute noch gebrauchen: Petra Schreiber (rechts) zeigt Ruth Schiel, wie das Besteck richtig gehalten wird und wo man es nach der Mahlzeit ablegt. Foto: Linke

Hersfeld-Rotenburg. Bereits im 18. Jahrhundert hat Freiherr Adolph Franz Knigge die erste Ausgabe seines Buches „Über den Umgang mit Menschen“ veröffentlicht. Welche Erkenntnisse daraus auch heute noch eine Rolle spielen, erklärte Referentin Petra Schreiber in ihrem Seminar „Knigge heute“.

Das Seminar hat das Frauenbüro Bad Hersfeld in Zusammenarbeit mit dem Büro für Staatsbürgerliche Frauenarbeit und der Volkshochschule des Landkreises organisiert. Die wichtigsten Regeln im Überblick, um einen guten Eindruck zu hinterlassen:

1.Im privaten Bereich grüßt in der Regel der Jüngere die ältere Person mit einem freundlichen Guten Tag oder Hallo. Außerdem grüßt der Herr die Dame zuerst. Im geschäftlichen Bereich ist das Grüßen nach der Rangordnung geregelt: Der Rangniedrigeren grüßt den Ranghöheren. Der Ranghöhere begrüßt den Rangniederen, indem er ihm die Hand reicht.

2.Die Kleidung sollte im Geschäftsbereich immer Seriosität und Kompetenz ausstrahlen – das gilt für Frauen, wie für Männer. Frauen sollten auf verspielte Kleidungsstücke verzichten, aber auch auf zu kurze Röcke. Bei der Kleidungswahl kommt es immer auch auf das Berufsfeld an. Wichtig ist außerdem, mit der Auswahl der Kleidung die eigene Persönlichkeit zu unterstreichen.

3.Beim Small-Talk geht es darum, mit seinem Gegenüber eine Vertrauens- und Beziehungsebene aufzubauen und in Kontakt zu kommen. Wichtig ist dabei die Themenwahl. Der Anlass, zu dem man sich trifft, das Wetter oder auch der Gastgeber können erste Gesprächsthemen sein. Die Themen Krankheit, Tod, Religion oder Politik sollten vermieden werden. Hierbei ist schwer einzuschätzen, wie der Gesprächspartner reagiert.

4.Das Besteck wird von außen nach innen gedeckt und ebenso benutzt. Wenn das Essen beendet ist, werden Messer und Gabel auf die „20 nach 4“-Stellung auf dem Teller abgelegt. Der Salat wird nicht mehr zu einem mundgerechten Päckchen gefaltet, sondern mit Messer und Gabel zerschnitten. Auch Kartoffeln werden mit dem Messer zerkleinert und nicht etwa auf dem Teller zerdrückt, um die Soße besser aufnehmen zu können.

5. „Guten Appetit“ zu wünschen war noch nie elegant. Nicht beim Geschäftsessen und auch nicht in guter Gesellschaft. Ein freundlicher, auffordernder Blick in die Runde der besagt „lassen Sie uns anfangen“ genügt. Der Spruch kommt aus der Zeit der Hausangestellten. Das Personal wünschte seinen Herrschaften einen „Guten Appetit“, nachdem das Essen aufgetragen wurde.

6.Auch heute öffnet der Herr beziehungsweise Gastgeber immer noch der Dame die Tür beim Betreten eines Restaurants. Die Dame wartet nach dem Betreten des Restaurants auf den Herrn. Generell kann gesagt werden, dass der Gastgeber zum Tisch vorgeht.

7.In der Regel bietet der Ältere dem Jüngeren das „Du“ an beziehungsweise im Beruf der Ranghöhere dem Rangniedrigeren. Im beruflichen Bereich kann es jedoch auch angenehm sein, beim „Sie“ zu bleiben, um eine gewisse Distanz zu wahren. Ein angebotenes „Du“ kann auch freundlich und gut begründet abgelehnt werden.

8.Auch heute ist es noch eine Geste der Höflichkeit, wenn der Herr der Dame die Tür aufhält. Kavaliere öffnen auch die Autotür und schließen sie, nachdem die Dame Platz genommen hat.

9.Der Niesreiz sollte aus gesundheitlichen Gründen nicht unterdrückt werden. „Gesundheit“ wird danach jedoch nicht mehr gesagt. Wenn das Niesen als störend empfunden wird – beispielsweise in einer Sitzung – sollte man sich entschuldigen. Ansonsten wird das Niesen ignoriert. Beim Niesen sollte die Hand davor gehalten werden, im besten Fall die linke Hand.

Von Miriam Linke

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