Die neue CDU-Stadtverbandsvorsitzende Silvia Schoenemann will den Neubeginn

Nicht ohne Bedingungen

Führungswechsel zu ihren Bedingungen: Mit einem fast komplett neuen Vorstand will die Vorsitzende Silvia Schoenemann den CDU-Stadtverband Bad Hersfeld wieder auf Kurs bringen. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Wenn die neue Stadtverbandsvorsitzende der Bad Hersfelder CDU von ihren Vorstellungen für die künftige Parteiarbeit spricht, dann bleibt der Ton zwar ruhig, doch in der Aussage legt Silvia Schoenemann Wert auf Bestimmtheit. „Meine Kandidatur war nicht bedingungslos“, stellt sie gleich zu Beginn des Gesprächs in ihrer Kanzlei am Markt klar.

Denn nur bei gleichzeitiger Wahl eines von ihr handverlesenen Vorstands sah die Rechtsanwältin die Voraussetzung für einen „klaren Neuanfang“ erfüllt. Tatsächlich wurde die Parteispitze bei der Mitgliederversammlung am vergangenen Freitag nahezu komplett ausgetauscht – und vor allem verjüngt. „Wir werden ein ideales Team sein“, sagt Schoenemann,

Von außen nicht möglich

Gleichzeitig entschieden sich die Hersfelder Christdemokraten für die Kandidatin, die auf das Argument einer umfassenden Vernetzung gesetzt hatte. „Von außen ist keine Feinabstimmung möglich“, sagt die Stadtverordnete, die für einen ungehinderten Informationsfluss zwischen Partei und den städtischen Gremien sorgen will.

Mit der Wahl Schoenemanns, die sich mit sechs Stimmen Vorsprung gegen den Freikirchen-Pastor Ralph Habener durchsetzte, endete auch eine gut anderthalbjährige Leidenszeit der örtlichen CDU, die nach dem Rücktritt von Ralf Neumeyer lange vergeblich nach einer neuen Führungspersönlichkeit gesucht hatte.

Am Ende hatte man allerdings zwei Kandidaten und zwei völlig unterschiedliche Entwürfe, die die Partei prompt in zwei Lager spalteten.

Die von Habener emotional verbreitete Aufbruchsstimmung nimmt jedoch auch Schoenemann für sich in Anspruch, auch wenn ihr Auftritt zurückhaltender wirkt. Auch sie will den CDU-Mitgliedern wieder eine Heimat geben, das Miteinander pflegen, mit themenorientierten Veranstaltungen ihr Interesse wecken und ihnen ein Forum bieten.

Dass sie wenige Tage nach der Wahl nicht gleich mit einem plakativen Programm aufwartet, unterstreicht den Anspruch der Seriosität der Vorsitzenden. „Krawall hält vernünftige Leute fern“, sagt sie. Themen und Strukturen sollen mit den Vorstandskollegen erst erarbeitet und nicht um des Effektes willen vorschnell verkündet werden.

Dass ihr die Familienpolitik am Herzen liegt, daraus macht Schoenemann jedoch keinen Hehl. Und dass die CDU künftig wieder agieren möchte anstatt nur zu reagieren, das versteht sich da fast schon von selbst.

Die Netzwerke müssten zum Teil wieder neu aufgebaut werden, beschreibt Schoenemanns Stellvertreter Lars Ullrich die nächsten Aufgaben und fügt hinzu: „Da ist zuletzt viel abgebröckelt.“ Auch sieht er die Notwendigkeit, der Partei wieder ein Profil zu verleihen, das auch von außen als solches wahrgenommen wird.

Tür wieder offen

Ein erklärtes Ziel des neuen Vorstands ist auch die Bündelung der bürgerlichen Kräfte in der Stadtverordnetenversammlung. Schoenemann sieht jetzt die Chance, die Abspaltung einiger CDU-Mitglieder in die Neue Bürgerliste NBL rückgängig zu machen. „Da werden Gespräche zu führen sein. Durch den neuen Vorstand ist die Tür wieder offen“, strebt die Parteichefin zumindest auf längere Sicht eine Wiedervereinigung mit Michael Bock & Co. an. zur person

Von Karl Schönholtz

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