Bernd Lukacs musste mit Elektromobil eine Stunde am Bahnhof Hersfeld warten

Vom Zug nicht mitgenommen

Am Bahnhof zurückgelassen: Bernd Lukacs wurde gestern von einem Zugführer der Cantus Verkehrsgesellschaft nicht mitgenommen. Foto: Streck

Hersfeld-Rotenburg. Fassungslos blickte gestern Vormittag Bernd Lukacs am Bahnhof in Bad Hersfeld dem Cantus-Zug hinterher, mit dem er eigentlich zurück nach Rotenburg fahren wollte. Jedoch ließ der Zugführer den schwerbehinderten 59-Jährigen in seinem Elektromobil auf dem Bahnsteig stehen.

„Bisher hat das alles immer geklappt“, erklärt Lukacs. So sei es für ihn normal, bevor er mit dem Zug fahre bei der Cantus Verkehrsgesellschaft anzurufen und die Mitarbeiter zu informieren. „Am Bahnsteig selbst winke ich dann auch immer dem Zugführer, damit er mich bemerkt“, berichtet Lukacs.

Trotz Knopfdruck keine Rampe

Dies sei gestern um 9.47 Uhr auch wieder der Fall gewesen. Jedoch habe der Fahrer die Rampe für den Elektro-Rollstuhl nicht bereitgestellt. „Ich habe extra eine andere Mitfahrerin gebeten, beim Einsteigen für mich den Knopf für die Rollstuhlrampe zu betätigen“, erklärt der Sitzengelassene wütend.

„Auch die anderen Male, bei denen alles klappte, sagte mir der Zugführer aber, dass er nicht wusste, dass ich mitfahren werde“, ergänzt er. Somit sei sein Anruf bei der Verkehrsgesellschaft überhaupt nicht bis zu den entsprechenden Zugführern gelangt. Trotz allem sei er bisher noch kein einziges Mal einfach am Bahnhof zurückgelassen worden.

Nach dem gestrigen Vorfall hatte Bernd Lukacs sofort bei der Verkehrsgesellschaft angerufen und mitgeteilt bekommen, dass man sich mit dem verantwortlichen Zugführer in Kontakt setzen werde.

Kein Gespräch

Dies bestätigte eine Cantus-Mitarbeiterin auf Nachfrage unserer Redaktion. So sei dem Zugführer der Mann mit seinem Elektro-Rollstuhl zwar aufgefallen, jedoch wirkte er auf den Zugführer nicht so, als wolle er in den Zug einsteigen, da er sich noch mit anderen Leuten auf dem Bahnsteig unterhalten habe. Der Knopf für die Rollstuhlrampe sei zwar gedrückt worden, jedoch sei über den Sprachkontakt nur ein Gespräch neben dem Knopf stehender Passagiere eingegangen und nicht die konkrete Bitte, die Rampe aufzubauen. Daraufhin sei der Zug dann normal weitergefahren. Auch eine telefonische Anmeldung von Bernd Lukacs sei in Kassel nicht eingegangen.

„Wir haben dann aber den Führer des folgenden Zuges darüber informiert, dass in Bad Hersfeld jemand mit Elektromobil in den Zug einsteigen möchte“, erklärt die Mitarbeiterin. So etwas passiere wirklich selten und es sei bei Cantus eher üblich, dass sich die Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer für die Hilfe bedanken würden.

Erfolgreiche Heimreise

Der nächste Zug nach Rotenburg fuhr gegen 10.47 Uhr in den Bahnhof in Bad Hersfeld ein. Jetzt konnte Bernd Lukacs über die Rampe in den Cantus einsteigen und zurück in seine Heimatstadt Rotenburg fahren.

Von Philip Streck

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