Projektwoche „Hospiz macht Schule“ führte Neuhaus-Schüler an traurige Themen heran

Den Tod nicht meiden

Hospiz macht Schule: In der Mitte sitzend Bertold Schmidt, rechts hinten stehend Kerstin Schäfer, von links hintere Reihe: Barbara Börner, Joachim Kuhn, Martina Lotz-Hartwig, Birgit Berger, davor: Anke Rudolph, Barbara Wendeln. Foto: Hettenhausen

Bad Hersfeld. „Wie fühlt sich Trauer an, wie kann ich trösten?“ Auf diese Fragen wussten die Schüler und Schülerinnen der Klasse 3c in der Wilhelm-Neuhaus-Schule viele Antworten: „Wie eine Pflanze, die entwurzelt ist“, „man muss rausgehen und mit jemandem sprechen“, „traurigen Menschen muss man sagen, dass sie stark sein sollen.“

Eine Woche lang hatten Mitarbeiter und Ehrenamtliche vom ökumenischen Hospizverein Bad Hersfeld die Klasse besucht und mit ihnen und der Lehrerin Barbara Börner die Projektwoche „Hospiz macht Schule“ gestaltet.

An fünf Tagen wurden die Themen „Werden und Vergehen“, „Krankheit und Leid“, „Sterben und Tod“, „Vom Traurig-Sein“ und „Trost und Trösten“ behandelt.

Sensibel und einfühlsam erfuhren die Drittklässler, dass „Tod und Sterben“ kein Thema ist, das man von ihnen fernhalten muss, weil es letztendlich auch nicht fernzuhalten ist.

„Leider denken viele Erwachsene, dass Kinder damit nicht umgehen können“, sagte Birgit Berger, eine der Koordinatorinnen des Hospizvereins. Doch die Projektwoche bestätigte einmal mehr ihre Einschätzung, dass dies nicht der Fall ist.

Was Sterben bedeutet

Die Kinder hätten schon im Grundschulalter ein Bewusstsein für die Endlichkeit und wissen, was Sterben bedeutet. In diesem Alter haben sie sich vielleicht schon von ihren Großeltern oder vom Haustier verabschieden müssen. Deshalb sei es wichtig, Kinder so früh wie möglich an diese Tabu-Themen heranzuführen, betonte Berger. Die achtjährige Leyla zum Beispiel erzählte ganz offen, wie sie mit dem Tod ihrer Oma umgeht und dass sie sie oft am Grab besucht. Für sie war es ganz natürlich, mit auf die Beerdigung zu gehen. Das ist der Idealfall. Mit Geschichten, Büchern, Filmausschnitten und gestalterischen Arbeiten wurden den Kindern die Themen nahegebracht.

„Es gibt schwarze und weiße Wolken“, erzählte ihnen Joachim Kuhn, Vorsitzender des Hospizvereins. Der neunjährige Raul hatte genau zugehört und konnte die Geschichte von dem Mädchen, das mit einem Ballon in den Himmel geflogen ist, später mit dem Wink, dass auch schwarze Wolken nützlich sind, genau wiedergeben.

Dann haben die Kinder auf große Papp-Wolken geschrieben, was für sie schöne und weniger schöne Situationen sind. Sie malten ihre Gefühle auf und topften Bohnen in kleine Töpfe ein, um zu beobachten und zu lernen, wie sich etwas verändern kann.

Es war das erste Mal, dass in Bad Hersfeld eine Klasse an einem solchen Projekt teilgenommen hat. Hessenweit war es erst die dritte Projektwoche in einer Schule.

Möglich wird diese Arbeit nur, weil sich Ehrenamtliche vorgenommen haben, etwas Wertvolles zu verschenken, nämlich ihre Zeit. Neben Joachim Kuhn kamen auch die Vereinsmitglieder Barbara Wendeln und Anke Rudolph jeden Tag mit in die Wilhelm-Neuhaus-Schule.

Zum Abschluss des Projektes gehörten auch Bertold Schmidt vom Kuratorium der Sparkassenstiftung „Gutes tun“ sowie Kerstin Schäfer als Vertreterin der Sparkasse zu den Besuchern im Klassenraum. Mit ihrer Spende von 500 Euro hatten sie das Projekt unterstützt.

Von Vera Hettenhausen

Kommentare