Regionalforum diskutiert über sinnvolle innerörtliche Entwicklungsmöglichkeiten

Nicht immer nur abreißen

Anschaulich präsentiert: Regionalmanagerin Sigrid Wetterau, Sachgebietsleiterin Ulrike Krauß und Vertreter der Stadt Bebra zeigten bei einem Dorfrundgang in Asmushausen ganz real auf, wo und wie Handlungsmöglichkeiten zur Schaffung eines lebenswerten und attraktiven Ortskerns bestehen. Der „Einbecker Hof“ – im Hintergrund rechts – und die hinter ihm stehende Scheune sollen nun komplett abgerissen werden, sodass Platz für einen Dorfplatz und für einen ganz neuen Bauplatz entsteht. Mittendrin soll der renaturierte Holzbach zum neuen Spielplatz plätschern. Foto: Apel

Asmushausen. Im Normalfall fährt man auf der B 27 einfach vorbei, denn es ist nicht mehr viel los in Asmushausen. Früher war das anders. Da schlängelte sich der ganze von und zur Cornberger Höhe fließende Fernverkehr durch den am Holzbach und am Bebrabach gelegenen Stadtteil von Bebra. Außerdem gab es Gewerbe, kleine und große Bauernhöfe, lebhaftes Treiben, Junge und Alte in jedem Haus.

Asmushausen ist ein Paradebeispiel für den demografischen Wandel in unserer Region – dafür, dass immer mehr Häuser leer stehen, mitunter auch verfallen, weil die Alten sterben und die Jungen immer weniger werden. Allerdings: Seit einigen Jahren schickt sich Asmushausen im Rahmen der Dorferneuerung an, aktiv und intensiv gegenzusteuern und den alten Ortskern zu revitalisieren: Innenentwicklung statt Ausweisung von Baugebieten im Außenbereich.

Das Ganze läuft so Erfolg versprechend, dass das Regionalforum Hersfeld-Rotenburg und die Arbeitsgruppe „Siedlung“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Lebenswerte Dörfer und Städte“ Fachleute, Interessierte und Betroffene zu einem Vortragsabend zum Thema „Möglichkeiten der innerörtlichen Entwicklung und Vermarktung von Gebäuden“ in das Dorfgemeinschaftshaus des 400-Seelen-Ortes baten.

Das ist vor allem in der „gefühlten“ Ortsmitte um die Ortslinde der Fall, um die herum mit dem jetzt in städtischem Eigentum befindlichen Claus’schen Anwesen und dem ehemaligen „Einbecker Hof“ mehrere Hofreiten liegen, die der Neugestaltung bedürfen. Nach der Leerstandsanalyse reichten die Meinungen von „Das Ding muss weg“ bis zum Wunsch nach Erhaltung des ortsbildprägenden Fachwerkgebäudes. Hilfreich war da das nach genauen Untersuchungen vorgelegte denkmalschutzrechtliche Gutachten, das Ansatzpunkte für einen geordneten Rückbau und eine Neuordnung der Grundstücke lieferte.

Zielvorstellung war, dass neben den Gebäuden, die erhalten werden sollten, auf dem nicht mehr benötigten, freigeräumten Grund vier neue Bauplätze entstehen sollten. „Unter Beteiligung aller Behörden haben wir das auch geschafft“, berichtete Ulrike Krauß, die das Erfolgsrezept beschreibt: „Wenn man weiß, was man will, und es hinkriegt, alle an einen Tisch zu bekommen, dann ist das schon die halbe Miete!“

In einer Art Pilotverfahren wurde erstmals in Hessen auch die Flurbereinigungsbehörde eingeschaltet, deren Neuordnungsinstrumentarium auch bei einer relativ kleinen Maßnahme und auch im Ortskern angewendet werden kann. Des Weiteren war der wasserwirtschaftliche Berater Heinrich Wacker mit im Boot, der zur geplanten Öffnung, Verlegung und Renaturierung des Holzbaches Stellung nahm und Vorschläge unterbreitete.

Bebras Bauamtsleiter Manfred Klöpfel ermunterte die anwesenden Vertreter der Kommunen: „Haben Sie Mut zum Flächenmanagement und kaufen Sie auf, denn irgendwann werden Sie genötigt zu handeln!“ TEXTE LINKS

Von Wilfried Apel

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