Karl Schönholtz über den Lehrer-Prozess

Nicht ganz erwachsen

Auf dem Papier sind sie volljährig, die 18- und 19-Jährigen, also erwachsen. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Das wissen Eltern, deren Kinder nicht mehr Kind sein möchten, denen aber bis zur Erwachsenenreife immer noch ein Stückchen fehlt. Und das wissen natürlich auch Lehrer, denen diese Noch-nicht-ganz-Erwachsenen anvertraut sind. Das wussten auch die vier jungen Menschen, die gestern im Prozess um den Badeunfall in der Toskana ausgesagt haben. Sie schilderten ihr Verhalten an diesem verhängnisvollen Abend einerseits in seiner vollen blühenden Unvernunft, waren andererseits aber auch anderthalb Jahre nach dem Tod ihres Kameraden noch zutiefst erschüttert von den Folgen ihres übermütigen Handelns. Das Dilemma war ihnen nur allzu bewusst, denn Verantwortung wollte keiner von ihnen auf andere abschieben. Auch nicht auf die drei Angeklagten, denen das widerfahren war, was Betreuer am meisten fürchten. Einer sprach es gestern aus: „Das Schlimmste, was einem Lehrer passieren kann, ist, mit einem Schüler weniger nach Hause zu kommen.“

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