Frauennetzwerk zeigt im Landratsamt Ausstellung zum Thema Gleichberechtigung

Nicht erst den Mann fragen

Sabine Koch und Maria Wieczorek (von links) vom Vorstand des Frauennetzwerkes erzählten zur Eröffnung der Ausstellung „Da muss ich erst meinen Mann fragen!?“ im Landratsamt von ihren persönlichen Erfahrungen mit der Gleichberechtigung. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“ – so steht es im Grundgesetz. Doch es war ein langer, harter Weg, bis dieser Satz dort aufgenommen wurde und bis heute ist die Gleichberechtigung in vielen Bereichen nur Theorie. Das zeigt die Ausstellung „Da muss ich erst meinen Mann fragen!?“, die das Frauennetzwerk im Landkreis Hersfeld-Rotenburg während der Frauenkulturwochen noch bis zum 19. März im Landratsamt zeigt und die jetzt offiziell eröffnet wurde.

Die Ausstellung schildert auf 15 Tafeln, wie sich die Rechte der Frauen in ganz unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereichen entwickelt haben und wie die Frauen ihre Rechte heute wahrnehmen.

Für das Frauennetzwerk schilderten die Vorstandsfrauen Maria Wieczorek und Sabine Koch schlaglichtartig ihre persönlichen Erfahrungen mit der Gleichberechtigung.

Kinder, Küche, Kirche – die drei klassischen K der Frauen waren schon für Maria Wieczoreks Mutter kein Thema mehr. Die Kirche spielte im sozialistischen Polen, wo Wieczorek aufgewachsen ist, zumindest offiziell keine Rolle mehr, die Kinder wurden in Krippen und Einrichtungen betreut und für die Verpflegung der Familienmitglieder sorgten Kantinen. Mädchen hätten selbstverständlich auf dem Bau oder als Traktoristin gearbeitet, Jungen lernten kochen und nähen.

Glücklich, arbeiten zu dürfen

„Viele Frauen waren glücklich, dass sie arbeiten durften“, sagt Maria Wieczorek, doch ihr ist auch bewusst, dass es dem sozialistischen System nicht in erster Linie um Frauenförderung ging, sondern darum, die personellen Ressourcen wirtschaftlich zu nutzen.

Als Maria Wieczorek in den 80er Jahren nach Deutschland kam, erlebte sie hier deutliche Rückschritte. Auf den Ämtern wurde immer nur ihr Mann angesprochen, ein Sachbearbeiter konnte einfach nicht glauben, dass sie als Frau mehr verdient hatte als ihr Mann, und auch ihren Doppelnamen durfte sie in Deutschland nicht führen.

Sabine Koch berichtete von einer sehr kämpferischen, frauenbewegten Mutter und dem eigenen Wunsch, beruflich mit Frauen zu arbeiten.

Auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern sei schon viel erreicht worden, kommentierte die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz die Ausstellung, die Frauen ermutigen wolle, für ihre Rechte einzutreten. „Geht es uns um den Kampf?“, fragte sie und beantwortete diese Frage mit einem „Jein“. Denn eigentlich wollten sich Frauen im Umgang mit Männern nicht ein Gegeneinander, sondern ein gerechtes, beide Seiten forderndes und förderndes Miteinander. So sieht es auch Sabine Koch, die sich wünscht, dass der Titel der Ausstellung irgendwann umformuliert werden kann in „Das muss ich erst mit meinem Mann besprechen – und dann sehen wir, was dabei heraus kommt.“

Musikalische Akzente zur Eröffnung setzten Antje Fey-Spengler am Saxophon und Martina Krüger (Klavier).

Von Christine Zacharias

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