Nicht aus eigener Kraft

Interview mit Gunter Müller, Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes Hersfeld

Hat den Überblick: Gunter Müller, Vorsitzender des DRK Kreisverbandes Hersfeld hat das Rote Kreuz durch eine schwere Krise geführt. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Als Gunter Müller vor viereinhalb Jahren den Vorsitz des Kreisverbandes Hersfeld des Deutschen Roten Kreuzes übernahm, stand er schnell vor einem Scherbenhaufen: Vom Rettungsdienst über das Schulessen bis zum Friedewalder Seniorenheim hatte sich das DRK geschäftlich verhoben und musste Insolvenz anmelden. Wir sprachen mit Müller über den Ausgang der Krise, eine denkbare Fusion mit dem Kreisverband Rotenburg und die Haltung der Ehrenamtlichen.

Herr Müller, der Kreisverband Hersfeld lag zeitweilig in Trümmern, auch bei den Nachbarn im nördlichen Kreisteil gab es erhebliche Probleme. Wann kommt den nun die Fusion der beiden Kreisverbände? 

Gunter Müller: Es gibt ja schon Beispiele, bei denen Hand in Hand gearbeitet wird, etwa beim Rettungsdienst und beim Katastrophenschutz. Auch die Ehrenamtlichen kennen sich gut und arbeiten zusammen. Organisatorisch ist es da nicht entscheidend, ob das in einem Kreisverband geschieht.

2013 mussten Sie in mehreren Geschäftsbereichen zum Insolvenzgericht. Wie ist es dazu gekommen? 

Müller: Das ist ein schwieriges Thema. Da ist ein Verein gewachsen und hat immer mehr im Profit-Bereich zu tun gehabt. Das war dann auf einmal ein Gebilde mit 200 Beschäftigten, aber die Strukturen sind nicht entsprechend mitgewachsen. Da sind Fehler gemacht worden. Das hat dann im professionellen Bereich zu personellen Veränderungen geführt, etwa in der Geschäftsführung und im Rettungsdienst.

Um welchen Preis ist das DRK aus diesem Tal herausgekommen? 

Müller: Wir mussten Insolvenzen anmelden, weil die Geschäfte trotz des Versuches, gegenzusteuern, so nicht weitergeführt werden konnten. Das, was sich angehäuft hatte, war zu intensiv.

Sind heute noch Nachwirkungen zu spüren oder ist da mittlerweile ein Strich drunter? 

Müller: Die Insolvenzverfahren bei der alten Rettungsdienst-Gesellschaft und in Friedewald bei der Senioreneinrichtung sowie beim Grundstück laufen noch. Den Rettungsdienst haben wir herausgekauft und wieder übernommen, und in Friedewald sind wir auf dem Weg. Das haben wir aber nicht nur aus eigener Kraft geschafft, sondern nur, weil uns andere geholfen haben, etwa der Landesverband oder der frühere Landrat Karl-Ernst Schmidt. Glück war auch, dass wir mit Frank Leyendecker einen erfahrenen neuen Geschäftsführer gefunden haben. Auch mit Björn Wettlaufer als neuem Rettungsdienstleiter sind wir gut aufgestellt.

Und in Friedewald? 

Müller: Dort war es etwas schwieriger. Aber wir werden das Grundstück und die Einrichtung voraussichtlich in der zweiten Hälfte dieses Jahres wieder selbst betreiben. Dazu muss ich sagen, dass wir hier sehr gut mit der Sparkasse zusammengearbeitet haben. Auch hier gilt, ohne unsere Partner wäre es schwer geworden.

Wie haben denn die Ehrenamtlichen reagiert? War da nicht ein großer Vertrauensverlust? 

Müller: Die Solidarität der ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeiter war toll, keiner hat uns deswegen verlassen. Viele haben es etwa beim Rettungsdienst schon geahnt und waren froh über den Neuanfang. Die hatten vorher das Gefühl, wir haben Veränderungsvorschläge, aber die werden nicht aufgegriffen. Die Patienten des Rettungsdienstes und auch die Bewohner in Friedwald haben nahezu nichts von den Insolvenzen mitbekommen, auch dafür sind wir unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen sehr dankbar.

Mittlerweile wird auch wieder ordentlich investiert wie mit der neuen Rettungswache in Bad Hersfeld. 

Müller: Ja, wir mussten uns da neu organisieren, um schneller an den Notfällen dran zu sein. Das ist nur möglich, weil wir wirtschaftlich wieder auf gesunden Füßen stehen und unseren Betrieb beherrschen.

Trotzdem noch einmal gefragt: Wäre es nicht sinnvoll, aus zwei Kreisverbänden einen zu machen? 

Müller: Die Rotenburger legen großen Wert auf ihre Selbständigkeit, und das können wir auch nicht beeinflussen. Das ist weniger ein Thema auf der Vorstandsebene als bei den Mitgliedern.

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