Neugier und Nachrichten

Kai A. Struthoff

In der vergangenen Woche habe ich einen Anruf bekommen, der mich sehr nachdenklich machte. Eine junge Lehrerin vom Obersberg beklagte sich darüber, warum wir denn unbedingt schon wieder über die polizeilichen Ermittlungen zur Bluttat am Frauenberg berichten mussten. Eine junge Angehörige der Familie sei ihre Schülerin und leide unter dieser Berichterstattung, die jedes Mal kaum verheilte Wunden wieder aufreißt.

Ein solcher Anruf lässt wohl keinen kalt! Ich habe versucht, der Lehrerin zu erklären, dass es nun mal unsere Aufgabe ist zu berichten – auch über Themen, die wir der Welt gern ersparen würden.

Andererseits gab es nämlich bereits Nachfragen von Lesern, die wissen wollten, ob wir wohl Nachrichten unterdrückten, weil wir so lange nicht mehr berichtet haben. Denn die Neugier und die Verunsicherung sind groß – nicht zuletzt aus der Angst heraus, dass der Täter erneut zuschlagen könnte.

Hoffen wir also, dass der Polizei nun bald ein Fahndungserfolg gelingt.

Das entbindet uns Journalisten freilich trotzdem nicht von unserer Verantwortung – denn welche Resonanz unsere Arbeit haben kann, sehen wir ja derzeit im Falle Amazon. „Gute Nachrichten sind schlechte Nachrichten“, heißt ein geflügeltes Wort in der Medienbranche, denn diese guten Nachrichten – kein Skandal, kein Mord, keine Katastrophe – interessieren die Leser meist nicht. Trotzdem darf man sich auch als Journalist ruhig manchmal danach sehnen.

Und dann gibt es Nachrichten, die beim besten Willen keine sind: Zu unserem Bericht über den Planungskonflikt bei einer Umgehungsstraße für den Bad Hersfelder Stadtteil Asbach – im Flächennutzungsplan kreuzt die Trasse den neuen Supermarkt – meldete sich der SPD-Ortsverein per Pressemitteilung und wies die angebliche Forderung der NBL-Fraktion nach einer Untertunnelung des Marktes zurück. Diese Stellungnahme erinnerte uns an Stadtpolitik wie in den Schwarzenbörner Streichen, denn die Tunnel-Idee war natürlich nur ein Scherz gewesen.

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