Suche nach einem Organ: Eine Spender-Leber rettete Gisela P. das Leben

Wie neugeboren fühlen

Es geht aufwärts: Nach der Reha in Bad Hersfeld fühlt sich Gisela P. wie neu geboren, auch das Treppensteigen klappt immer besser. Der 61-Jährigen ist eine Leber transplantiert worden. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Ein halbes Jahr lang hat Gisela P.* jeden Tag gehofft, dass der ersehnte Anruf endlich kommt. Sechs Monate dauerte die Suche nach einem passenden Organ, einer neuen Leber. „Immer wenn das Telefon klingelte, dachte ich, jetzt ist es soweit.“ Irgendwann ließ sie dann nur noch ihren Mann ans Telefon gehen. Bis die lebenswichtige Suche ein Ende hatte.

Mit einem seltsamen Kribbeln im Körper und Unwohlsein fing vor 27 Jahren alles an. Kurze Zeit später wurde bei Gisela P. eine primär biliäre Zirrhose festgestellt – eine chronische Erkrankung der Leber, die sich langsam zersetzt. Zuletzt halfen auch keine Medikamente mehr, nur eine Spenderleber konnte P.s Leben retten.

„Wann wirst du gesund?“

Heute kann die 61-Jährige wieder lächeln. Sie lebt jetzt mit einer fremden Leber im Körper, aber es geht ihr gut. „Ich fühle mich gesund und wie neugeboren.“ Vor der OP sei sie am ganzen Körper gelb gewesen und kam aus dem Haus nicht mehr raus. Mit dem Enkel konnte sie nicht mehr spielen. „Oma, wann wirst du wieder gesund, hat er gefragt“, erinnert sich Gisela P. daran, wie auch ihre Familie mitgelitten hat. Reagiert habe auf ihre Krankheit allerdings jeder anders. Während ihre Tochter ihr sogar die Hälfte der eigenen Leber spenden wollte, war P.s Mann in sich gekehrt und vermied es, über das Thema zu sprechen. „Ich habe das dann in die Hand genommen, und ihm klargemacht: das ist eine ernste Sache“, so Gisela P.

Die 61-Jährige kommt aus Essen. In der Vitalisklinik in Bad Hersfeld war sie jetzt für vier Wochen zur Reha. Als sie dort eintraf, war sie noch schwach und müde, doch zum Ende der Reha ging es steil bergauf. Beim Treppenlaufen habe sie zwar noch Probleme, „aber das schaffe ich auch noch“, ist sie zuversichtlich.

Zwar dauerte es nur sechs Monate, von dem Zeitpunkt, als Gisela P. auf die Warteliste gesetzt wurde bis zur Transplantation, für die Essenerin war es trotzdem eine aufreibende Zeit. An den Moment, als der Anruf dann tatsächlich kam, kann sich Gisela P. noch gut erinnern. „Das vergisst man nicht. Es war herrlich. Es war ein Freitagabend. Mein Mann und ich haben ferngesehen und um 22.30 Uhr klingelte das Telefon“, erzählt die 61-Jährige mit einem Lächeln. „Ich war total aufgeregt und wir sind sofort losgefahren.“ Dabei wollte sie das fremde Organ erst gar nicht. Ihre Familie und ihr Hausarzt mussten sie zu dem Eingriff regelrecht überreden. Heute ist sie froh: „Sonst wäre ich jetzt vielleicht nicht mehr da.“

Um 1.30 Uhr lag Gisela P. dann auf dem OP-Tisch. Fünf Stunden dauerte der Eingriff, am nächsten Tag konnte sie schon wieder lachen – auch wenn noch ein langer Weg vor ihr lag und die Ungewissheit, ob ihr Körper die neue Leber annimmt. Dass sie nie erfahren wird, von wem und unter welchen Umständen sie die Leber bekommen hat, macht der 61-Jährigen nichts aus.

Etwa 60 Lebertransplantierte sind pro Jahr zur Reha in der Vitalisklinik. Nicht alle sind so schnell wieder so fit wie Gisela P.: „Ich habe eine Frau kennengelernt, deren Körper die neue Leber dreimal abgestoßen hat.“ Die 61-Jährige hofft nun, dass sie ihr Leben möglichst bald wieder so leben kann wie früher. „Ich bin ein Mensch, der gerne etwas unternimmt und Sport treibt. Man muss nach vorne schauen.“

An die Transplantation erinnern wird sie aber immer die große Narbe über dem Bauch. *Name ist der Redaktion bekannt

Von Nadine Maaz

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