Figurenspiel „Die Bremer Stadtmusikanten“ thematisierten das Älterwerden

Für was Neues nie zu spät

Ein-Mann-Theater: Günter Staniewski gastierte im „wortreich“ mit dem Figurenspiel „Die Bremer Stadtmusikanten“ . Foto: Nicole Wagner

Bad Hersfeld. Die kleinen Besucher schauen gespannt auf die vier Holzfiguren, die Günter Staniewski aufeinander steckt und so das weltbekannte Bild der Bremer Stadtmusikanten komplett macht. Hahn, Katze, Hund und Esel sitzen jeweils auf dem Rücken des Anderen und machen einen ohrenbetäubenden Lärm, mit dem sie die Räuber aus dem gemütlichen Häuschen im Wald vertreiben. Mit einer gekonnten Mischung aus Figurentheater, Puppenspiel, Schauspiel und Gesang begeisterte die Ein-Mann-Vorstellung des Theater Laku Paka Jung und Alt im Bad Hersfelder „wortreich“.

Botschaft für Erwachsene

„Halte mal bitte den Floh fest, ja?“ Mit einer Pinzette legt Erwin Schmidt, Hauptfigur des Stückes, ein imaginäres Insekt in die Hände eines kleinen Zuschauers. Der Junge hält behutsam seine Hand auf und sucht sie als gleich nach Spuren des Tieres ab.

Mit seiner humorvollen Mimik, der Einbeziehung des Publikums und verschiedenen Akzenten zog Günter Staniewski aber nicht nur die kleinen Zuschauer in seinen Bann, sondern beeindruckte auch die älteren Gäste, für die das Stück ebenfalls eine Botschaft bereit hielt. „Es ist für ganze Familien gedacht. Es werden manche Dinge unterschwellig thematisiert, die eher Erwachsene verstehen“, erklärte der Theaterkünstler, der die „Bremer Stadtmusikanten“ gemeinsam mit Kerstin Röhn bereits seit vier Jahren auf die Bühne zaubert.

Neuer Lebensabschnitt

Gemeint ist das Thema des Älterwerdens, das vielen Menschen im Rentenalter zunehmend zu schaffen macht. Genau wie die Bremer Stadtmusikanten haben auch sie das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, aber die Idee von Frührentner Erwin Schmidt, einen Flohzirkus zu gründen, vermittelt die Botschaft, dass es niemals zu spät ist, etwas Neues und Aufregendes zu beginnen.

So beginnt für ihn am Ende des Stückes ein neuer Lebensabschnitt, genau wie für die vier Stadtmusikanten, die dem Kochtopf und dem sprichwörtlichen Abstellgleis entkommen sind und fortan gemeinsam musizieren.

Auch nach über dreißig Jahren macht Günter Staniewski das Theaterspielen noch Spaß. „Ich fühle mich privilegiert, das machen zu dürfen.“ Bereits 1983 hatte er sich gemeinsam mit Kerstin Röhn auf das Spiel mit Figuren spezialisiert. Seitdem zählt das Theater Laku Paka zu den renommiertesten Figurentheatern Deutschlands.

Echter Allround-Künstler

Am Ende seiner Darbietung erntete der Künstler aus Kaufungen, der sowohl für den Text und das Spiel, als auch für die Figuren und die Bühne verantwortlich ist, viel Applaus. Daran änderte auch eine kleine technische Panne nichts, deren spontane Einbeziehung die Begeisterung und Sympathie des Publikums nur noch verstärkte.

Von Nicole Wagner

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