Hotelier Achim Kniese warnt vor Neubau-Plänen im Schilde-Park – Rückzug von Pier 1

„Neues Hotel nicht nötig“

Achim Kniese

Bad Hersfeld. In der Diskussion um eine mögliche Hotelansiedlung am Schilde-Park hat sich jetzt der Bad Hersfelder Hotelier Achim Kniese zu Wort gemeldet. Er warnt eindringlich davor, ein weiteres Hotel – womöglich noch mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt – anzusiedeln.

„Ein neues Hotel schafft noch keine entsprechende Nachfrage“, sagt Kniese, der neben dem „Stern“ am Linggplatz auch die beiden Hotels im Kurpark betreibt und daher den örtlichen Markt gut kennt. „Das ist ein Projekt ohne Notwendigkeit“, sagt Kniese, der offen zugibt, dass er dabei natürlich auch seine eigenen wirtschaftlichen Interessen vertritt.

Wie berichtet plant Kniese gemeinsam mit einer Investorengruppe, das Parkhaus am Neumarkt zu einem Hotel mit Parkdecks umzubauen.

Die Mehrheitsfraktion aus SPD, Grünen und FWG hatte sich dafür ausgesprochen, im östlichen Schilde-Park auf einem 1200 Quadratmeter großen „Baufenster“ ein neues Hotel zu bauen. Die NBL-Fraktion hatte vorgeschlagen, das Verwaltungsgebäude neben der Schilde-Halle zum Hotel umzubauen. Hintergrund der Überlegungen sind mögliche Synergieeffekte mit der Schilde-Veranstaltungshalle und dem wortreich, die beide die neuen Übernachtungs-Kapazitäten nutzen könnten.

Eben dies bezweifelt Kniese, weil für die Schilde-Halle noch kein umfassendes Vermarktungskonzept vorliege und auch das wortreich kaum Übernachtungsgäste anziehe. Nicht einmal die Stadthalle sei voll ausgelastet, argumentiert der Hotelier. „Die Stadt spielt Hans im Glück, wenn sie hier ein weiteres Hotel ansiedelt“, warnt Kniese, der nicht daran glaubt, dass sich eine große Hotelkette als Betreiber eines neuen Hauses in Bad Hersfeld ansiedeln würde.

Wichtige Synergien

Das bestätigt auch das Hotel-Gutachten, das die Stadt bei dem Beratungsbüro „RCM“ aus Bad Füssing in Auftrag gegeben hat. Dieses kommt zu keinem eindeutigen Votum, inwieweit ein weiteres Hotel wirtschaftlich zu betreiben sei. In dem Gutachten heißt es, es bestehe in Bad Hersfeld „kein besonderer Bedarf an neuen Hotels“. Im Übrigen sei es ja auch ein Zeichen, dass sich bis heute kein Investor und Betreiber für das politisch gewünschte Hotel gefunden hat, so Kniese.

Kniese meint, die notwendige Auslastung und damit die Wirtschaftlichkeit sei wesentlich durch Synergie-Effekte zwischen mehreren Häusern in einer Region zu erzielen und verweist dabei neben seinen eigenen Erfahrungen auch auf den Erfolg der Göbels-Gruppe, die das Schloss-Hotel „Prinz von Hessen“ in Friedewald, aber auch Häuser in Rotenburg und ganz Nordhessen betreibt.

Wie schwierig und gesättigt der Markt in Bad Hersfeld ist, zeigt auch eine weitere unternehmerische Entscheidung Knieses: Er wird sich zum Jahresende aus dem Betrieb des „Pier 1“ am Fuldasee zurückziehen. Als Grund nennt er „infrastrukturelle und bauliche Probleme“, die einen wirtschaftlichen Betrieb der Gaststätte behindern.

Von Kai A. Struthoff

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