Neues von Fehling und Post aus Malmesbury

Kai A.

Thomas Fehling hat die Hersfelder Zeitung abbestellt. Mal wieder. Schon kurz nach meinem Amtsantritt als Redaktionsleiter vor sechs Jahren hatte Fehling sein Abo gekündigt, weil die HZ nicht so wollte, wie er es gern hätte.

Nun hat seine neuerliche Abbestellung natürlich vor allem Symbolcharakter. Ein Computer-Fachmann wie Fehling kann sich die relevanten Informationen auch auf unserer Internetseite ansehen. Außerdem werden mehrere Exemplare der HZ ins Rathaus geliefert. Logisch, denn wie sollte eine Stadtverwaltung auch ordentlich arbeiten, ohne die örtliche Tageszeitung?

Aber irgendwie kann ich Thomas Fehling sogar verstehen. Natürlich ist es schmerzhaft in der Zeitung schwarz auf weiß zu lesen, was viele Menschen von ihm und seiner Arbeit halten, sich aber nicht trauen, ihm ins Gesicht zu sagen. Genau das ist sicher die größte Gefahr für Menschen in wichtigen Positionen, dass man ihnen nicht mehr ehrlich die Meinung sagt. Wir Journalisten haben es da einfacher. Und so gab es viel Lob aber auch deftige Kritik an meiner Kolumne vom vergangenen Wochenende. Gut so! „Zwischen den Zeilen“ ist ein Kommentar, ein Meinungsbeitrag. Dem kann man zustimmen oder auch nicht. Aber es ist die Aufgabe einer Zeitung, Stimmungen einfangen und zu transportieren, Kritik zu üben – aber natürlich auch zu loben.

Eigentlich schade, dass Thomas Fehling die HZ nicht mehr liest, denn für seinen „öffentlichen Kassensturz via Internet“, der die Bürger an der Haushaltsplanung beteiligen soll, verdient er Anerkennung: Das ist eine gute Idee und passt prima zu den liberalen Grundüberzeugungen und Transparenzversprechen des Bürgermeisters. Natürlich weiß auch Fehling, dass vermutlich nur eine relativ kleine Gruppe der ohnehin engagierten Bürger daran teilnehmen wird. Und natürlich liegt die abschließende Entscheidung über den Haushalt und die wohl notwendigen harten Einsparungen beim Parlament. Aber immerhin – einen Versuch ist es wert, den Bürgerwillen auszuloten.

Offenbar gibt es inzwischen auch im Schilde-Park Bewegung. Wir hören, dass sich VeriFon dort mit einem Neubau ansiedeln will. Die erfolgreiche IT-Firma, die unter anderem Lesegeräte für Gesundheits- und Geldkarten entwickelt, ist schon lange auf der Suche nach einem neuen Domizil. Derzeit sind wir noch quasi Nachbarn im Industriegebiet. Ich würde mich freuen, wenn wir auch im Schilde-Park Nachbarn blieben.

Damit dürften dann vermutlich auch die Pläne für einen Hotelneubau vom Tisch sein, der ohnehin ziemlich unnötig ist. Ich verstehe nicht, warum die Hotelbefürworter der Mehrheitsfraktion nicht beizeiten Fachleute wie die Hoteliers Achim Kniese oder Markus Göbel um ihren Rat und ihre Meinung gefragt haben – so wie es die HZ getan hat. Natürlich vertreten die Geschäftsleute auch eigene Interessen. Aber sie sind zugleich Experten, deren Kompetenz man doch nutzen sollte.

Gefreut habe ich mich in dieser Woche über eine Postkarte des rührigen Bürgermeisters von Malmesbury, Ray Sanderson, der sich darin für die Gastfreundschaft während des Lullusfest bedankte. Die angestrebte Partnerschaft mit der englischen Geburtsstadt von Hersfeld-Gründer Lullus geht gut voran. Das Interesse in der Bevölkerung an engeren Kontakten ist offenbar groß, und auch finanzielle Unterstützung scheint in Aussicht. Das ist wichtig, denn natürlich hat Bürgermeister Fehling recht, wenn er sagt, eine Partnerschaft müsse vor allem von der Bevölkerung und nicht allein von den politischen Gremien der Stadt getragen werden.

Ups, das war ja schon wieder ein Lob für den Bürgermeister.

Jetzt reichts aber!

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