Neuer Frust und fast vergessene Freude

Kai A.

Der Festspielstreit hat in der vergangenen Woche eine neue Dimension erreicht. Bürgermeister Thomas Fehling hat öffentlich erklärt, sein Vertrauen in den Intendanten sei erloschen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie die beiden nach dieser klaren Aussage jemals wieder zusammenarbeiten sollen. Der Vorschlag, die Verantwortung für die Festspiele an ein anderes Magistratsmitglied zu delegieren, kann wohl kaum ernst gemeint sein. Denn die Festspiele sind nun mal integraler Bestandteil des Verantwortungsbereichs des Bürgermeisters einer Festspiel-Stadt.

Also bliebe eigentlich nur die Kündigung von Holk Freytag. Ich hoffe sehr, Thomas Fehling hat einen Plan B in der Schublade – sprich einen neuen Intendanten. Allerdings frage ich mich, welcher aufrechte Theatermann angesichts dieser Vorgeschichte freiwillig nach Bad Hersfeld kommt. Künstler sind ähnlich wie Journalisten zuweilen unbequem und lassen sich nur ungern den Mund verbieten.

In dieser stürmischen Zeit übernimmt Meik Ebert als neuer Referent und Pressesprecher einen schwierigen Job. Wir von der HZ freuen uns auf die Zusammenarbeit, denn für uns ist gute Öffentlichkeitsarbeit genauso wichtig wie für die Stadt. Im Moment gibt es da durchaus Verbesserungsmöglichkeiten.

In Haunetal ist in der vergangenen Woche Fritz Krauser in den Gemeindvorstand aufgenommen worden. Er ist ein ein erfahrener Kommunalpolitiker. Auch in Haunetal zeigt sich immer wieder, wie schwierig die Arbeit für die hauptamtliche Verwaltung und vor allem die ehrenamtlichen Parlamentarier ist. Sicher wird der von allen geachtete Krauser mit seiner großen Erfahrung eine wichtige Stimme in der kommunalen Arbeit von Haunetal sein. Der Gemeinde kann das nur gut tun.

Erinnern Sie sich noch? Heute vor 24 Jahren fiel die Berliner Mauer. Am Tag danach stand auch ich am Brandenburger Tor auf dem hässlichen, grauen Monstrum, das meine Heimatstadt so lange trennte. Heute erinnern wir uns kaum noch an die Freude jener Tage. Aber auch der oft schmerzliche Prozess des Zusammenwachsens danach ist in Vergessenheit geraten. Normalität ist eingezogen, auch hier im früheren Grenzgebiet.

Dennoch ist es wichtig, die Erinnerung an den Wahnsinn der Teilung aufrechtzuerhalten – gerade in Zeiten in denen in den USA, in Palästina und womöglich auch bald in Europa Zäune und Mauern gebaut werden, um Menschen davon abzuhalten, Freiheit und ein besseres Leben zu suchen.

Gemeinsam mit einem Kollegen der Südthüringer Zeitung habe ich die vergangenen beiden Tage mit einer zehnten Klasse der Geistalschule und Thüringer Schülern auf Point Alpha verbracht. Die Schüler befragten dort für unsere Zeitungen Zeitzeugen, die in der DDR als politische Gefangene inhaftiert haben. Was die jungen HZ-Reporter darüber zu berichten haben, lesen Sie am Montag bei uns.

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