Höhere Verbindlichkeit ist das Ziel – Frühere Initiative scheiterte

Neuer Anlauf: Kreis soll gentechnikfrei werden

Hersfeld-Rotenburg. Schon 2004 hat der Kreistag eine gentechnikfreie Region angestrebt – doch bis heute ist so gut wie nichts passiert. Auch vor dem Hintergrund von Initiativen anderer Landkreise wollen SPD und Grüne das Thema nun voranbringen. Opposition und Landwirte sind jedoch eher skeptisch.

Die Koalitionäre haben in einer Vereinbarung kürzlich festgehalten, dass sie den Anbau von gentechnisch verändertem Saatgut auf landwirtschaftlichen Flächen verhindern wollen. „Wir sollten das nach der Sommerpause angehen“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Jörg Althoff. Wegen der möglichen Gefahren der Gentechnik müsse man tätig werden.

Das sieht auch der Kirchheimer SPD-Bürgermeister Manfred Koch so. „Wir prüfen derzeit, welche rechtlichen Möglichkeiten man hat – wie verbindlich etwa eine Ausrufung des Kreistages wäre.“ Denkbar seien auch Selbstverpflichtungen. Noch gibt es aber keinen konkreten Zeitplan.

Die Landwirte sind beim Thema gentechnikfreier Landkreis zurückhaltend. „Darüber kann man sicher nachdenken – aber nur mit zeitlicher Befristung“, sagt etwa der Alheimer Landwirt Friedhelm Diegel. Man müsse die Möglichkeit behalten, eine so weitreichende Entscheidung zu revidieren. Der Kreisbauernverband wolle bei seiner nächsten Sitzung darüber beraten.

Auch die CDU sieht noch Gesprächsbedarf. „Das ist ein wichtiges und brisantes Thema“, sagt Herbert Höttl, stellvertretender Kreisfraktionsvorsitzender. Er halte grundsätzlich wenig von Symbolbeschlüssen. Er wolle der Fraktionsdiskussion aber keinesfalls vorgreifen.

Im Landkreis gibt es nach Auskunft des Regierungspräsidiums Gießen derzeit keine Gentechnik-Flächen. 1997 allerdings wollte der Agrarkonzern Monsanto in Iba einen Freilandversuch starten. Das hatte damals zu erbittertem Widerstand geführt. ZUM TAGE, Hintergrund

Von Philipp David Pries

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