Polizist mit Leib und Seele

Der neue Polizeipräsident für Osthessen, Günther Voß, sieht die Region gut aufgestellt

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Auf der Wache in Bad Hersfeld: Günther Voß, neuer Polizeipräsident des Polizeipräsidiums Osthessen, schaut Dienstgruppenleiter Ralf Lampersbach (vorn) über die Schulter. Höflich und hilfsbereit, aber in der Sache konsequent sollten „seine“ Polizisten sein, so Voß.

Hersfeld-Rotenburg. Die Waffe musste er ablegen und die Uniform zieht er nur noch bei besonderen Gelegenheiten zu repräsentativen Anlässen an. Trotzdem ist und bleibt Günther Voß Polizist mit Leib und Seele, wie er selbst sagt.

Seit 1. Juli ist der 59-Jährige aus Schlüchtern Präsident des Polizeipräsidiums Osthessen. Zum Dienstbezirk gehören die Kreise Hersfeld-Rotenburg, Fulda und Vogelsberg sowie die Stadt Fulda und die Autobahnen in der Region. „Das Präsidium ist für immerhin 20 Prozent der Fläche Hessens zuständig“, verdeutlicht Voß. Zu seinen Aufgaben gehören beispielsweise Personalangelegenheiten, das Bearbeiten von Beschwerden, die Koordination des Dienstbetriebs und der taktische Einsatz. Voß ist aber auch Repräsentant und steht in Kontakt mit anderen Behörden. Einen Kaltstart habe er dank vorheriger Stationen nicht hinlegen müssen, dennoch müsse er nun erstmal ankommen.

Auch einige Antrittsbesuche stünden noch aus. Im Prinzip sei seine Arbeit mit der eines Geschäftsführers in einem mittelständischen Unternehmen vergleichbar, so Voß, der Chef von fast 1000 Mitarbeitern ist, die für die Sicherheit von rund 442 000 Einwohnern zuständig sind. Dabei sei es sein Ziel, die Behörde intern so zu führen, dass der Mensch im Mittelpunkt stehe und eine Kultur der offenen Tür gepflegt werde. Für die Bürger wünsche er sich Kollegen, die höflich, hilfsbereit und zuvorkommend, aber auch konsequent in der Sache seien.

Die Berufung sei für ihn nicht überraschend gekommen. Seine eigene Meinung wolle er sich aber auch als politischer Beamter bewahren. Die Entscheidung, zur Polizei zu gehen, sei nach der Schule eher eine pragmatische gewesen, die sich allerdings als Glücksfall herausgestellt habe. „Ich wollte nicht zur Bundeswehr und ein Studium war zu teuer“, verrät der 59-Jährige, der inzwischen seit über 40 Jahren bei der Polizei ist. „Eine Bewerbung, eine Zusage und weg war ich.“ Schnell habe sich der Beruf als Berufung erwiesen.

Zu den prägendsten Erlebnissen habe sicher die erste Leiche und die damit verbundene erste Todesnachricht gezählt, die er mit Anfang 20 überbringen musste. „Ein Migrant aus dem Osten war bei der Gartenarbeit zusammengebrochen. Er und seine Frau hatten sich in Frankfurt gerade eine neue Existenz aufgebaut ...“, erinnert sich der Polizeipräsident noch genau. Aber natürlich gebe es auch „tausend schöne Erlebnisse“, betont er. Die Hilfe nach einem Unfall oder die strahlenden Augen einer Mutter, deren Kind man wiedergefunden habe, seien nur zwei von vielen Beispielen. Immer wieder aufkeimende Kritik an der personellen Ausstattung der Polizei kann Voß nur teilweise nachvollziehen. „Wir sind in Hessen gut aufgestellt“, so der 59-Jährige. Vom geplanten Stellenzuwachs 2017 werde wohl auch Osthessen profitieren. Auch Nachwuchssorgen gebe es hier noch nicht.

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