Bad Hersfelder Festspiele: „West Side Story“ überzeugt auch bei der Wiederaufnahme

Neue Maria, alte Klasse

„I feel pretty“: Auch mit Katharina Schrade in der Rolle der Maria (Bildmitte) kann die „West Side Story“ bei den Bad Hersfelder Festspielen wie schon im vergangenen Jahr glänzen. Foto: Iko Freese/drama-berlin

Bad Hersfeld. Es ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass ein neuer Theaterintendant eine erfolgreiche Produktion aus dem Vorjahr übernimmt. Holk Freytag, seit diesem Jahr Chef der Bad Hersfelder Festspiele, hat es getan. Die schon 2009 gefeierte „West Side Story“ steht weiter auf dem Spielplan.

Die Premiere der Wiederaufnahme vor endlich einmal wieder ausverkaufter Stiftsruine unterstrich Freytags Entscheidung: Die mitreißende Inszenierung von Matthias Davids mit der kongenialen Choreographie der Amerikanerin Melissa King zählt unter den guten Hersfelder Musicals zu den besten.

Damit jedoch nicht genug: Intendant Freytag nutzte am Samstag eine Regen-Umbaupause, um seine Vorgängerin Elke Hesse („...der wir diese Inszenierung zu verdanken haben“) im Publikum zu begrüßen.

Intensive Proben

Obwohl ein Großteil des Vorjahres-Ensembles auch für dieses Jahr verpflichtet werden konnte, musste das Team Davids/King während einer intensiven Probenwoche ein halbes Dutzend neuer Darsteller integrieren, darunter mit Katharina Schrade auch die Neubesetzung der weiblichen Hauptrolle.

Das ist ohne erkennbare Brüche gelungen: Die angehende Opernsängerin Schrade ist eine wunderbare Maria. Im Spiel zeigt sie ausdrucksvoll ein Mädchen zwischen kindlicher Naivität und der begreifenden jungen Erwachsenen. Stimmlich stark harmoniert sie mit Christian Alexander Müller als Tony, der seinen Part deutlich gewandter und leidenschaftlicher spielt als noch vor Jahresfrist. Gesanglich ist Müller ohnehin Klasse, akzentuiert die englischen Liedtexte sehr genau, hat Volumen und erklimmt souverän auch die höheren Tonlagen.

Mit der energiegeladenen Maaike Schuurmans als Anita hat die Inszenierung zudem eine dritte herausragende Hauptdarstellerin, die in den komödiantischen Teilen ihrer Rolle genauso überzeugt wie in den ernsten Momenten.

Die Bewunderung des Publikums galt jedoch vor allem den Tänzern. Obwohl weite Teile der Vorstellung im strömenden Regen stattfanden, ließen die Choreographien an Schwung, Feuer und Körpereinsatz nichts zu wünschen übrig. Immer wieder spritzte das Wasser auf, gab es meterlange Rutschpartien und nach Bodenkontakt vollkommen durchnässte Kostüme – das Ensemble spielte so, als müsse das so sein.

Dicht und frisch

Den Erfolg der Bad Hersfelder „West Side Story“ macht jedoch ganz wesentlich auch die Live-Musik aus. Unter der Leitung von Christoph Wohlleben kommt aus dem Orchestergraben ein derart dichter, frischer Sound, als hätte Leonard Bernstein seine Musik extra für die Stiftsruine geschrieben.

Weitere Vorstellungen bis zum 7. August. Kartentelefon 06621/201-360. www.bad-hersfelder-festspiele.de

Von Karl Schönholtz

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