Ehemalige aus dem Kinderheim Glimmesmühle trafen sich zum achten Mal wieder

Neue Heimat gefunden

Ehemalige Glimmesmühler beim Treffen am Ort ihrer gemeinsamen Kindheit. Erster von links ist Heinz-Peter Vergens aus Südafrika, daneben Fritz Oehler, rechts außen zwei ehemaligen Erzieherinnen, dahinter Dr. Drews. Foto: Miehe

Bad Hersfeld. Als Glimmesmühler betrachten sich noch heute zahlreiche Menschen, die mittlerweile in verschiedenen Regionen Deutschlands oder gar im Ausland leben. Sie haben offenbar unvergessliche Jahre ihrer Kindheit in der Glimmesmühle vor den Toren Bad Hersfelds verbracht. Dort hatte die evangelische Kirche von 1946 bis 1954 ein Kinderheim eingerichtet.

Durch die Kriegswirren waren viele Kinder in einer misslichen Lage. Väter waren gefallen oder vermisst; Mütter mussten sich unter harten Bedingungen allein durchschlagen und konnten sich so oft nicht gut um ihre Kinder kümmern – es gab noch keine Kindertagesstätten. Einige Kinder waren auch elternlos und zum Beispiel von Flüchtlingstransporten aufgegriffen worden. In der an der Geis gelegenen Glimmesmühle – heute ein Hotel – fanden viele Kinder eine Bleibe.

Karge Verhältnisse

Erzieherinnen und Helferinnen versuchten unter kargen Verhältnissen das Beste für die Kinder zu tun. Aber die Kinder mussten je nach Vermögen auch fleißig mithelfen. Mädchen wurden in der Küche und bei der Wäsche eingesetzt, Jungen mussten Kohlen, Holz und Wasser ins Haus tragen – da es kein fließendes Wasser gab, musste das Wasser mit Eimern von einer Quelle an der Geis herangetragen werden, und das war an Bade- und Waschtagen nicht wenig. Zudem war das Sammeln von Beeren und Pilzen für alle angesagt.

Trotz der spärlichen Lebensumstände hat man den Kindern den Weg in eine bessere Zukunft geebnet. Viele erlernten später angesehene Berufe und konnten sich ein gutes eigenständiges Leben aufbauen.

Erzieherin Leni Portugal, Tante Leni genannt, initiierte 2006 ein erstes Treffen. Sie wandte sich an die Hersfelder Zeitung, um mit ehemaligen Schützlingen Kontakt aufzunehmen und freute sich über die große Resonanz auf den Artikel mit der Überschrift „Tante Leni sucht ihre Kinder“.

Aus Südafrika angereist

Die trafen sich nun, wenn auch ohne die inzwischen verstorbene Tante Leni, zum neunten Mal. Die weiteste Anreise hatte Heinz-Peter Vergens, Peti genannt, der eigens aus Südafrika gekommen war. Als Berliner Waise hatte auch er einige Jahre in der Glimmesmühle ein Zuhause und Fürsorge gefunden. Nach einer Ausbildung zum Techniker wanderte er dann nach Südafrika aus.

Andere Glimmesmühler blieben dagegen zeitlebens im Raum Hersfeld, so unter anderem Hans Krüger, der als Waise aus Westpreußen mit seinen Geschwistern im Heim war und dann in Mecklar Fuß fasste. So konnten all die Glimmesmühler nicht nur Erinnerungen von den gemeinsamen Jahren auffrischen, sondern hatten sich auch viel über ihren weiteren Lebensweg zu erzählen. Da auch noch zwei ehemalige Erzieherinnen an dem Treffen teilnahmen, kamen die damaligen Verhältnisse nicht nur aus Sicht der Kinder zur Sprache.

Dr. Konrad Drews aus Tübingen hat die Geschichte des Kinderheims mit vielen Erinnerungsberichten zu einer lesenswerten Dokumentation zusammengestellt, damit ein Stück Geschichte festgehalten und den Anwesenden überreicht. Fritz Oehler aus dem Raum Hannover sieht seine Aufgabe im Zusammenhalten der Glimmesmühler und in der Organisation der jährlichen Treffen.

Von Brunhilde Miehe

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