Gerda Großmann wird heute 100 Jahre alt – Als Vertriebene nach Hersfeld gekommen

Neue Heimat gefunden

Gerda Großmann – hier mit ihrem Mann Gerhard Niebel (90 Jahre) – feiert heute ihren 100. Geburtstag. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Gerda Großmann hat den ersten und den zweiten Weltkrieg miterlebt. Sie wurde am 27. April 1913 in Lissa/Posen geboren, und nur kurze Zeit später brach der Krieg aus. Heute feiert Großmann ihren 100. Geburtstag in Bad Hersfeld, wo sie schließlich als Vertriebene aus Schlesien eine neue Heimat fand.

Nachdem sie 1939 ihren ersten Ehemann im zweiten Weltkrieg verloren hatte, kam Großmann um 1945/1946 nach Hersfeld. Dort traf sie dann auch auf ihren späteren zweiten Ehemann Gerhard Niebel, dessen Vater den „Bund der Berliner“ in Bad Hersfeld ins Leben gerufen habe, weil viele Berliner nach dem Krieg in der Lullusstadt eine neue Bleibe fanden. Bei einem Treffen dieser Gemeinschaft saßen die beiden nebeneinander – 1953 wurde geheiratet.

Haus am Neumarkt renoviert

In der Oberen Frauenstraße hatte Großmann Ende der 40er-Jahre ein Tabak- und Zeitschriftengeschäft eröffnet. „Das war das erste Geschäft in der ganzen Straße mit Schaufenster“, berichtet Niebel vom Laden seiner Frau nicht ohne Stolz. Eigentlich habe sie Kindergärtnerin werden wollen, so Großmann, aber dann sei 1935 die erste Hochzeit dazwischen gekommen.

Am Neumarkt kauften Großmann und Niebel ein altes Haus und renovierten es. „Endlich eine schöne Wohnung“, freute sich Großmann, die selbst tatkräftig mit angepackt hat. Auch ihre Eltern lebten eine Zeitlang mit in dem Haus.

„Wir haben Bad Hersfeld und die Hersfelder lieben gelernt und sind sehr nett aufgenommen worden“, sagt die Jubilarin heute über ihren neuen Lebensmittelpunkt. „Die Gegend ist wunderschön und ähnelt meiner Heimat.“ Dort habe es die Schneekuppe gegeben, hier gibt es die Wasserkuppe, die allerdings 600 Meter weniger hoch sei.

Die Erinnerungen an den Krieg und die Zeit danach können Großmann und Niebel dennoch nicht vergessen: „Wir haben nur das nackte Leben gerettet, sonst hatten wir nichts. Das lässt einen nicht los.“ Auch der Kinderwunsch blieb Großmann verwehrt.

Gesundheitlich ist Gerda Großmann mittlerweile sehr eingeschränkt, eins lässt sie sich aber nicht nehmen: Alle 14 Tage kommt der Friseur und auch auf adrette Kleidung legt die 100-Jährige Wert. Eine Nachbarin lobt: „Gerda sieht aus wie 80 und ist immer schick angezogen.“

Seit sechs Jahren lebt Gerda Großmann im Altenzentrum Hospital, auch ihr Mann hat dort ein Appartement, allerdings im anderen Gebäude. „Leider können wir nicht zusammen essen“, bedauern sie.

Gefeiert wird der Ehrentag heute mit Verwandten, die aus ganz Deutschland und alle aus etwa 500 Kilometern Entfernung anreisen, und auch einige Bewohner aus dem Altenzentrum Hospital werden an Gerda Großmanns Ehrentag dabei sein. (nm)

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