Festspiele: Brief des CDU-Fraktionschefs online

Grimm kritisiert Leitartikel in HZ

Dieser war in der vergangenen Woche unter dem Titel „Provinzielle Trauerspiele“ erschienen.  Grimm zieht in seinem Schreiben an mehreren Stellen Vergleiche zur Amtsführung des früheren Bürgermeisters Hartmut H. Boehmer in Bezug auf den Umgang mit bisherigen Intendanten und auch in Hinsicht auf die den Führungsstil mit Personalmaßnahmen in der Verwaltung.

Hier habe die HZ nicht in entsprechender Deutlichkeit das Wort ergriffen.

Wir dokumentieren das Schreiben in Wortlaut:

Den Leitartikel von Markus Pfromm lesen Sie hier.

- Provinzielle Trauerspiele

"Sehr geehrter Herr Pfromm, hallo Markus, es hat schon einige Überlegungen gebraucht um sich letztendlich zu einer Reaktion auf Deinen Leitartikel zu entschließen; immer tauchte die Frage auf: Warum lässt sich jemand, der sich in anerkennender Weise ehrenamtlich engagiert (u.a. Freunde der Stiftsruine), zu solchen Zeilen - die mitnichten faktisch unterlegt sind - hinreißen? In Deinen Zeilen wird von einem abstrusen Kurs des Bürgermeisters gesprochen und einer Inszenierung der Kündigung von Herrn Freytag gesprochen. Warum soll diese inszeniert gewesen sein? Ich möchte daran erinnern, dass es mit Herrn Freytag wiederholt zum Streit mit den Stadtverordnetenfraktionen (Ausnahme SPD/Die GRÜNEN) betreffend des Festspielhaushalts und der -Auslastung gekommen ist. Im Dezember hat Herr Freytag in einer Sitzung mit dem Ältestenrat zugesagt sich an die Beschlüsse zu halten; hat er das? Darf ich Dich in diesem Zusammenhang an die Kündigung von Dr. Peter Lotschak erinnern?

Einen Leserbrief zum Thema lesen Sie hier.

Herr Boehmer hat Herrn Dr. Lotschak die Kündigung mittels eines reitenden Boten (6 Monate vor Spielzeitbeginn) während der Weihnachtsfeiertage überbringen lassen. Ich kann mich nur an eine kurze Pressenotiz von Frau Zacharias in der HZ dazu erinnern. Du führst an, dass jemand sich - wenn es ihm an Toleranz, Humor, Verständnis und Vertrauen fehlt - gern an Zahlen und Statistiken klammert. Eine subjektive Feststellung; mag vielleicht sein. Markus, wie und in welcher Form sind gute und erfolgreiche Festspiele messbar? Welche Parameter sind hier anzuwenden? Später sprichst Du von Qualität. Was bedeutet / heißt hier Qualität? Völlig unstreitig dürfte sein, dass Besucherzahlen und die Kommentare in den Medien harte Faktoren sind. Fest steht: Wir haben heute keine besseren, erfolgreicheren Festspiele als vor der Intendantenzeit von Herrn Freytag. Die Besucherzahlen sind eindeutig, die Kommentare heute nachweisbar nicht besser als unter anderen Intendanten, insbesondere von Dr. Lotschak und Volker Lechtenbrink. Und darüber hinaus: Festspiele müssen finanzierbar sein; insbesondere dann, wenn es strikte Haushaltsauflagen einzuhalten gilt. Am Rande: Der Etat / Wirtschaftsplan für 2014 wurde von Herrn Freytag nicht eingehalten. Die Zahlen der Festspielverwaltung sprechen eine deutliche Sprache. Es wird die teure Kündigung des Intendanten angesprochen. Später führst Du aus, dass selbst altgediente Führungskräfte verbannt werden, quasi funktionslos sind. Ist dies nicht ein ganz normaler Prozess zwischen zwei Parteien, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer? Wenn dem nicht so wäre, hätte dann nicht das Beschäftigen von städtischen Mitarbeitern in „niederwertiger Beschäftigung“ oder das „Outsourcing“ von Mitarbeitern unter Herrn Boehmer in der Presse mehr Reaktion erfahren müssen? Ist denn das jüngste Arbeitsgerichtsverfahren der HZ mit einer Mitarbeiterin nicht ähnlich zu sehen? Arbeitgeber, Behördenleiter haben das Recht, meines Erachtens auch die Pflicht Veränderungen vorzunehmen, Prozesse anzupassen, die jeweilige Organisation nach Bedürfnissen und Bindungen zu verändern. Zu Recht führst Du das ramponierte Ansehen der Festspiele an; aber haben nicht (auch) die, die ihr politisches Spiel damit treiben einen gehörigen Anteil daran? Geht es wirklich nur um den Intendanten - oder nicht vielmehr um das bekennende SPD-Mitglied Freytag? Nicht vielleicht auch um weiter schwindenden Einfluss der SPD und ihrer Unterstützer nach der verlorenen Bürgermeisterwahl? Intendantenwechsel hat es, insbesondere in der „Boehmer-Ära“, immer wieder gegeben, mit schönen und weniger schönen Begleiterscheinungen.

Dieses Jahr geht es zudem um politischen Einfluss, es werden vom politischen Gegner des Bürgermeister alle Fäden gezogen um ihn zu schädigen, zu diskreditieren, auch die im medialen Bereich. Und dies hat die beschriebenen Folgen. Darüber hinaus bist Du der Meinung, dass Herr Fehling nicht der erfolgreiche Taktgeber im Bürgermeisteramt ist. Hat sich die HZ einmal die Mühe gemacht die Fehler, Nachlässigkeiten und den damit verbundenen Nachregelungsbedarf („Erbfolge“) des Altbürgermeisters (und der Kommunalpolitiker, die ihn unterstützt haben) anzuschauen, dazu zu recherchieren, zu listen und zu berichten? Viele Projekte könnte ich hier aufführen; jüngstes Beispiel ist der abgerutschte Hang nach den starken Regenfällen am Amazon-Gelände. Als vor dem Bau bei der Vertragsunterzeichnung das Technische Rathaus auf die Geo-Problematik hinweisen wollte, wurden diese Mitarbeiter des Raumes verwiesen. Auch dieser Fall wird die Stadt Geld kosten. Den amtierenden Bürgermeister haben die „Baustellen“ viel Zeit gekostet und werden weiterhin viel Zeit kosten. Er hat drei Jahre Amtserfahrung; Herr Boehmer hatte über 20 Jahre. Abschließend: Jeder hat seinen eigenen Führungsstil; den von Altbürgermeister Boehmer als kooperativ bezeichnen zu wollen wäre wohl mehr als vermessen; der sogenannte Gutsherrenstil trifft es wohl eher.

Eine Kritik daran, insbesondere in der Form wie durch Dich am 30.07.14 geschehen, ist nicht erfolgt. Eine gute Führung schwört auch nicht ein; begeistern und „mitnehmen“ ist erfolgsversprechender!! Der Auffassung, dass auswertige Bewerber die besseren Bürgermeister für eine Gemeinde sind, kann man ohne Zweifel sein. Die Altbürgermeister Ude, Koschnik oder Petra Roth beweisen vielleicht das Gegenteil. Um nahtlos an Franks Zeilen anzuschließen: Ich denke, vorgenannte Punkte mussten gesagt werden.

Mit freundlichem Gruß Gunter Grimm

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