Kölner Kabarettist im Buchcafé – Schöpfungsgeschichte im Bundestag

Netenjakob macht sie alle nach

Wolf-Biermann-Parodie: Der selbst ernannte Luftgitarristen-Champion Moritz Netenjakob braucht neben dem angeklebten Schnauzbart keine weiteren Requsiten. Foto: Rödiger

Bad Hersfeld. Der Kölner Kabarettist Moritz Netenjakob ist seit Jahren Autor für viele erfolgreiche TV-Comedy-Shows. Dass er auch ein hervorragender Bühnenkünstler ist, beweist er seit nunmehr viereinhalb Jahren mit seinem Live-Programm „Multiple Sarkasmen“. Jetzt hatte nun endlich auch das Bad Hersfelder Publikum Gelegenheit, sich im Buchcafé von Moritz Netenjakob aufs Beste unterhalten zu lassen.

Ob Marcel Reich-Ranicki, Herbert Grönemeyer, Peter Maffay, Udo Lindenberg, Hans-Dietrich Genscher, Dieter Hallervorden, Edmund Stoiber, Otto Waalkes – Moritz Netenjakob gelingt es, sie verblüffend authentisch nachzumachen.

Der perfekte Lindenberg

Eine seiner Glanznummern und inzwischen sicher auch schon der Albtraum seiner Lebenspartnerin dürfte seine Udo Lindenberg-Parodie sein. Den leicht nuschelnden und immer etwas bedröhnt wirkenden Altrocker hat er wirklich super drauf. Seine Gedanken über urdeutsche Verhaltensweisen treibt er bewusst ins Extrem.

So phantasiert er über eine biblische Schöpfungsgeschichte, bei der unser deutsches Parlament die Schöpfung der Erde in sieben Tagen planen und beschließen soll. Mit verschiedenen deutschen Politikerstimmen reflektiert er die Höhepunkte dieser einzigartigen Bundestagsdebatte, die als Endergebnis lediglich gedimmtes Sonnenlicht und eine einzige Insel für freilaufende Hühner vorzuweisen hat.

Das Krisenmanagement der aktuellen Bundesregierung bei einer Ufo-Attacke ist eine weitere geniale Idee des Kölners. Sie gipfelt in der energischen Aufforderung des Bundesaußenministers Westerwelle an die Aliens, gefälligst deutsch zu sprechen, und in der von Angela Merkel sofort in die Wege geleiteten Entsendung des Marineschulschiffs „Gorch Fock“.

Moritz Netenjakob sieht sich selbst als bedauernswertes Produkt einer intellektuellen Erziehung. Zum Beweis liest er aus seinem Kindertagebuch einige haarsträubend-komische Erlebnisse vor. Höhepunkt seiner Abrechnung mit dem intellektuellen Vater ist sein etwas makaberes Lied „Betroffenheit auf Kos“, in dem er in der untergehenden griechischen Urlaubssonne zu typischen Schlagerklängen über Naziverbrechen im dritten Reich singt.

Das Bad Hersfelder Publikum belohnte diese Vorstellung mit donnerndem Applaus.

Von Werner Rödiger

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