Islamische Gemeinde der Nachbarstadt hat eine neue Moschee – Skepsis in Bad Hersfeld

Neidvoller Blick auf Bebra

Yalcin Solak im Büro der Moschee – die Fahnen im Hintergrund sollen das deutsch-türkische Miteinander symbolisieren. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. So richtig stolz kann Yalcin Solak, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Gemeinde Bad Hersfeld, „seine“ Moschee an der Dudenstraße nicht vorzeigen. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen, der Platz ist begrenzt. Für die älteren Besucher sei es außerdem beschwerlich, die Treppen in die erste Etage hochzukommen. Insgesamt sei die Moschee wenig repräsentativ.

Die Gemeinde wünscht sich deshalb eine neue Moschee und die Unterstützung von Seiten der Stadt und der Politik. Etwas neidisch blickt Yalcin Solak nach Bebra, wo der dortige Türkisch-Islamische Kulturverein Bebra und Umgebung (TIK) eine schicke, fast neue Moschee besitzt und von Seiten der Stadt in seinem Vorhaben maßgeblich unterstützt worden sei.

Der TIK war seit Anfang der 80er Jahre nahe der evangelischen Auferstehungskirche in der ehemaligen Schreinerei untergebracht – zunächst als Mieter, später als Eigentümer.

„Problemloses Miteinander“

Um 1995 wurden mit der Stadt und dem damaligen Vereinsvorstand erste Gespräche über eine Sanierung und Modernisierung des Fachwerkgebäudes geführt. „Wir hatten Glück, denn das Gebäude des Vereins liegt im Sanierungsgebiet, sodass es Fördermöglichkeiten für den Gemeinbedarf gab“, erklärt Bauamtsleiter Manfred Klöpfel.

Nach vielen Gesprächen habe schließlich ein Konzept vorgelegen und ab 2001 wurde gebaut, wobei der Verein viel Eigenleistung erbrachte. 2003 folgte die feierliche Wiedereröffnung des so genannten Ersatzbaus, des „neuen, schnuckeligen Vereinsheims“, wie Klöpfel sagt, der auf das problemlose Miteinander mit dem TIK in Bebra verweist.

Johannes van Horrick, Fachbereichsleiter der Technischen Verwaltung in Bad Hersfeld, betont, helfen zu wollen, aber er ist wenig optimistisch was ein Gebäude in Innenstadtlage betrifft.

Auch städtische Grundstücke oder Immobilien seien nicht verfügbar, zumal auch andere Vereine wie Hephata gerne bauen würden. Von Seiten der Türkisch-Islamischen Gemeinde fehlt es laut van Horrick außerdem an konkreten Plänen und die finanziellen Möglichkeiten seien begrenzt.

Keine offizielle Anfrage

Ähnlich äußert sich auch Bürgermeister Thomas Fehling: „Das Miteinander mit der Islamischen Gemeinde funktioniert gut, es gibt keine Vorbehalte“, sagt er. Allerdings gebe es bislang noch keine offizielle Anfrage der Gemeindevertreter, es fehlten konkrete Pläne für ein Moscheebauvorhaben. Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltssituation, werde eine finanzielle Unterstützung ganz schwierig. „Ich will aber nichts ausschließen“, betont Fehling.

Skeptisch ist auch Sahin Cenik, Vorsitzender des Bad Hersfelder Ausländerbeirats. Grundsätzlich sei der Wunsch nach einer neuen Moschee zwar legitim, aber angesichts der gerade einmal rund 100 Mitglieder habe er Zweifel, ob ein neues größeres Objekt wirklich gebraucht werde. Er plädiert deshalb dafür, dass die islamischen Gemeinden untereinander mehr kooperieren sollen. (nm/kai)

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