Patrick Bowien klärt auf: In seinem Buch schreibt er über männliche Homosexualität

Von Natur aus anders

„Anders sein“ ist nichts Schlimmes: Patrick Bowien will mit seinem Buch „Gaynau richtig!“ den gesellschaftlichen Umgang mit der Homosexualität erleichtern. Foto: Skrzyszowski

Bad Hersfeld. Irgendwie war er anders – das bemerkte er schon mit vier Jahren. Patrick Bowien hatte andere Interessen, solche, die eher typisch für Mädchen sind. „Ich wusste, optisch bin ich ein Junge. Aber ich hatte trotzdem das Gefühl, dass ich nirgendwo dazu gehöre“, erzählt der heute 28-jährige Hersfelder.

Natürlich wusste er damals noch nicht, was Homosexualität ist. Auch seine Familie wusste das nicht – und vielen anderen geht es ähnlich. Mit seinem Buch „Gaynau richtig!“ beschreibt er die Identitätsfindung in der männlichen Homosexualität. Mit 18 Jahren hat sich Patrick Bowien selbst geoutet. Was einerseits ein Ratgeber und Mutmacher sein soll, soll aber vor allem eines: aufklären. Das liegt dem Autor besonders am Herzen: „Ich möchte der Gesellschaft näher bringen, was Homosexualität ist.“

Homosexuelle erzeugen oft den Eindruck, dass sie mit ihrem auffallenden Auftreten provozieren wollen. Der 28-Jährige hat außerdem festgestellt, dass vor allem das Verhältnis zwischen hetero- und homosexuellen Männern häufig gespannt sei – und das geschehe aufgrund der Unsicherheit bezüglich der Thematik oft unbewusst.

Genau deshalb will Patrick Bowien das Bewusstsein für dieses Thema schärfen, damit es dem Umfeld leichter fällt, mit der Homosexualität umzugehen. Denn mittlerweile weiß er: „Anders zu sein“ ist von der Natur bestimmt. Echte Homosexualität sei angeboren. Auch wenn es in anderen Fällen durch verschiedene äußere Einflüsse zu situationsbedingter Homosexualität, sogenannter Pseudohomosexualität, kommen kann.

Seinen Platz gefunden

Er wusste lange Zeit nicht, wo er hingehört – mittlerweile hat der 28-jährige Sozialpädagoge „seinen Platz“ gefunden: Und der ist nicht nur in der Großstadt Berlin und in seiner Heimat Bad Hersfeld. Nach seinem Studium hat er ein Jahr in New York gelebt. Dort führte er als „Dogwalker“ nicht nur die Hunde reicher Menschen in Manhattan aus und wohnte dort bei der Schriftstellerin Karen Moline, die ihm die Faszination des Schreibens näherbrachte. Er hat im Ausland auch seinen Glauben gefunden: den Buddhismus. „Die Religion ist für mich greifbarer und toleranter, Homosexualität ist hier nicht verboten und nichts „Schlechtes“, sagt Patrick Bowien voller Überzeugung.

Der Autor ist optimistisch: Nicht nur in den Schwulen-Lokalitäten der Großstädte trifft man mittlerweile viele Heterosexuelle – auch in kleinen Städten wie Bad Hersfeld werde die Toleranz immer größer. „Als ich anlässlich eines Experiments mit einem Kumpel im „Fummel“ durch die Innenstadt gelaufen bin, waren die meisten Menschen sehr interessiert und zugänglich.“ Ihre Reaktionen haben den 28-Jährigen nicht nur positiv überrascht, sondern er ist sich sicher: „Die Gesellschaft ist heute bereit für das Thema Homosexualität.“

Von Nina Skrzyszowski

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