Falsche Verdächtigung oder Falschaussage: Belastungszeuge sorgte für Freispruch

An der Nase herumgeführt

Bad Hersfeld. „Ich bin unschuldig“, behauptete der Angeklagte, ein 44-jähriger Hersfelder, nachdem ihm Staatsanwalt Dr. Heiko Heppe massiven Rauschgifthandel mit Marihuana und Methadon vorgeworfen hatte. Und tatsächlich musste das Schöffengericht am Bad Hersfelder Amtsgericht den vielfach vorbelasteten Schrotthändler wenig später freisprechen.

Das lag daran, dass die Anklage alleine auf der Aussage eines Straftäters fußte. Der Belastungszeuge, ein 33 Jahre alter Azubi aus Bad Hersfeld, widerrief gestern jedoch auf ganzer Linie: Sowohl gegenüber der Polizei wie auch in seiner eigenen Gerichtsverhandlung hatte der süchtige Türke bestätigt, der Angeklagte habe ihm bei insgesamt 80 Gelegenheiten Betäubungsmittel verkauft.

Alles nicht wahr

Das sollte nun alles nicht wahr gewesen sein. Er habe dem Schrotthändler wegen eines vorausgegangenen Streits nur eins auswischen wollen.

Den Ermittlern bei der Polizei und dem Ankläger war kein Vorwurf zu machen. Gerade weil sich der Zeuge durch die Beschuldigung des angeblichen Dealers Strafmilderung in eigener Sache erhoffte – das regelt der Paragraph 31 des Betäubungsmittelgesetzes –, wurde gründlich nachgefragt. Nicht nur einmal, sondern zweimal im Abstand von einigen Monaten wurde der Türke vernommen, der seine recht konkrete Aussage Ende vergangenen Jahres vor Gericht erneut wiederholte.

Im Dezember war er wegen gefährlicher Körperverletzung, unerlaubten Anbaus und Ankauf von Rauschgift zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Wegen seiner Vorbelastungen hatte es keine Bewährung mehr gegeben.

Diese Strafe könnte sich jetzt noch einmal beträchtlich erhöhen: Wie Staatsanwalt Dr. Heppe auf Nachfrage bestätigte, wird nun ein neues Verfahren gegen den Türken eingeleitet. Wahlweise wegen falscher Verdächtigung oder wegen uneidlicher Falschaussage wird er dann wieder auf der Anklagebank sitzen.

Von Karl Schönholtz

Kommentare