Der Autor Paul Maar lud mit seinem Helden Nasreddin zur Reise in den Orient ein

Mal Narr, mal Philosoph

Paul Maar nahm sich in der Pause und nach der Lesung viel Zeit, um seinen vielen kleinen und großen Fans die Bücher nicht nur zu signieren, sondern sie auch noch mit lustigen Tierzeichnungen auf der ersten Seite zu versehen. Foto: Hettenhausen

Bad Hersfeld. Paul Maar hat mit der Wahl seines Protagonisten Nasreddin Hodscha in dem Buch „Das fliegende Kamel“ in Richtung Publikumsgunst einen Volltreffer gelandet. Das zeigte einmal mehr die Begeisterung der Zuhörer, die am Sonntagnachmittag zu seiner Lesung aus diesem Werk in die Martinskirche gekommen waren.

Till Eulenspiegel des Orients

Kaum ein Platz war noch in der Kirche frei, als einer der erfolgreichsten deutschen Kinder- und Jugendbuchautoren sein 2010 zusammen mit dem Illustrator Aljoscha Blau veröffentlichtes Buch mit Erzählungen über den Till Eulenspiegel des Orients vorstellte.

Diesen sympathischen, witzigen Nasreddin muss man einfach gern haben. Seine Späße sind komisch, seine Schlagfertigkeit ist brillant. Er ist der Held vieler türkisch-islamischer Volksweisheiten, die seit dem 14. Jahrhundert erzählt und mit individuellen Varianten überliefert wurden.

Solche feinen Abstimmungen auf seinen sprachlichen Stil und etwas veränderte Pointen am Schluss erlaubte sich auch Maar bei seinen Nacherzählungen im ersten Teil des Buches.

Im zweiten Teil hat Maar sich ausgedacht, wie Nasreddin in der heutigen Zeit, in Berlin oder in Frankfurt wandeln würde. Dabei hat er geschickt die alte, schwankhafte Erzähltradition über den Narren, der eigentlich keiner ist, fortgesetzt.

Nasreddin tut Dinge, die ihn zunächst sehr dumm aussehen lassen. Aber er hat immer das letzte Wort in den Anekdoten – und das auch zu Recht. Denn er beweist am Schluss stets seine Schläue und Schlagfertigkeit. Seine Aussprüche bringen die Leute zum Nachdenken. So sei er eigentlich eher ein Philosoph als ein Narr, meinte auch Paul Maar.

Vom Goethe-Institut wurde der Autor der beliebten „Sams“-Geschichten oft ins Ausland und auch in die Türkei eingeladen. Dort erzählte ihm sein Freund Mehmet von dem orientalischen Volksweisen.

Zur Veranstaltung in der Martinskirche hatte Maar noch zwei exzellente Vorleser mitgebracht, den Schauspieler und Regisseur Wolfgang Krebs und die Autorin, Schauspielerin und Dozentin Vassiliki Toùssa.

Mittelalterliche Instrumente

Zum Programm gehörte auch das Ensemble Capella Antiqua Bambergensis. Deren vier Musiker spielten auf ihren fast 40 mittelalterlichen Instrumenten beruhigende, orientalische Klänge. Schalmeien, Flöten, Dudelsack, Orgel und Glockenspiel versetzten das Publikum in das 14. Jahrhundert und in die Welt Nasreddins.

Diese gelungene, kurzweilige und sehr unterhaltsame Kombination von Lesung und Musik kam beim Publikum sehr gut an. Bevor sich dieses entspannt und heiter auf den Heimweg machte, bat es mit enthusiastischem Applaus um einige Zugaben.

Von Vera Hettenhausen

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