Festspieler: Lars Weström steht im vierten Jahr auf der Bühne in der Stiftsruine

Narbe als Erinnerung

„Mein Karussell zur und von der Arbeit“: Festspiel-Schauspieler Lars Weström im Kreisverkehr mit der Europablume. Den Kreisel passiert der Berliner täglich, denn er wohnt am Lappenlied. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Mönchskutte oder Polizeiuniform: Lars Weström fühlt sich in vielen Rollen wohl. Hauptsache, er kann seine Spielleidenschaft ausleben, egal ob auf der Bühne oder vor der Kamera, „ich bin froh, beides machen zu können“. Am Theaterspielen gefällt ihm die Abwechslung, die Möglichkeit verschiedene Charaktere zu erleben, während man im Fernsehen doch eher in eine bestimmte Schublade gesteckt würde.

Bei den 63. Bad Hersfelder Festspielen steht Weström wieder als armer Teufel und Sprachgenie Salvatore in „Der Name der Rose“ auf der Bühne, außerdem ist er in diesem Jahr als Sebastian im Stück „Der Sturm“ zu sehen. Im TV spielt der sportlich-lässige Mann mit auffallend blauen Augen seit nunmehr 13 Jahren den Polizisten Anton Meier in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“.

Schauspiel statt Biologie

Das Theaterspielen hatte Weström schon in der Waldorfschule gefallen, damals habe er allerdings gedacht, „ein Schauspieler ist jemand wie Til Schweiger“, auf die Idee, selbst Schauspieler werden zu können, sei er gar nicht gekommen. Ein befreundeter Puppenspieler brachte ihn aber schließlich auf den Geschmack und er merkte, dass „ein gewisses Talent doch vorhanden war“.

Als Weström seiner Familie bei einem Adventsessen schließlich erzählte, dass er sein Biologiestudium zugunsten eines Schauspielstudiums aufgegeben hatte, war diese allerdings nicht gleich erfreut. Heute ist er froh über diese Entscheidung, wenngleich die Schauspielerei eine unsichere Branche sei. „Sollte mich das Publikum nicht mehr sehen wollen, müsste ich mir wohl was überlegen und vielleicht als Paketbote arbeiten ...“, so Weström schmunzelnd. Nur Polizist zu sein, das könnte er sich im wahren Leben nicht vorstellen.

Aktualisiert am 21.06. um 13 Uhr.

Die stressige und verrückte Zeit in Bad Hersfeld, während der Weströms Fortbewegungsmittel Nummer eins das Fahrrad ist, beschreibt der Berliner als Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Man wisse vorher nie: Wie wird die Rolle, wie wird das Wetter, wie sind die Kollegen? „Es ist immer wieder faszinierend, was man hier erlebt“, sagt Weström.

Eine bleibende Erinnerung an die Festspielstadt hat er seit vergangenem Jahr: Vom Fechten für seine Rolle in „König Lear“ ist eine kleine Narbe an der Hand zurückgeblieben – und es scheint fast schon, als freue er sich darüber.

Selbstgebautes Bett

Zu Hause betätigt sich Weström gerne handwerklich. Sein jüngstes Projekt ist ein selbstgebautes Bett komplett ohne Metall gewesen, also auch ohne Schrauben. „Ich scheue vor nichts zurück. Was ich selbst erledigen kann, mache ich, auch wenn es länger dauert“, erklärt Weström.

Das Schwierigste an seiner Rolle in „Der Name der Rose“ seien die vielen Sprachen, mit denen die Dialoge gespickt sind und in denen viel Eigenleistung Weströms steckt. Ab dem 19. Juli wird Weström wieder in seiner Mönchskutte über die Bühne der Stiftsruine humpeln. Zur Person

Von Nadine Maaz

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