Wochenendporträt: Ilse Nordheim

Als Ankleiderin im Einsatz

+
Ganz nah dran: Ilse Nordheim aus Bad Hersfeld ist bei den Festspielen als Ankleiderin im Einsatz. Unser Bild zeigt sie in der Garderobe kurz vor Vorstellungsbeginn. Bei „Cabaret“ ist sie für Helen Schneiders Outfits zuständig.

Bad Hersfeld. Näher dran geht es kaum: Ilse Nordheim aus Bad Hersfeld ist bei den Festspielen als Ankleiderin im Einsatz - und geht in ihrer Aufgabe sichtlich auf.

Über die Facebookseite der Festspiele war die 70-Jährige im vergangenen Jahr darauf aufmerksam geworden, dass noch Anziehhilfen gesucht werden, und hatte dabei eigentlich an ihre Tochter gedacht. „Aber ihr passten die Zeiten nicht“, berichtet die Hersfelderin, die wegen ihres Alters und der fehlenden Erfahrung zunächst Bedenken hatte, diese Aufgabe zu übernehmen, heute aber voll in ihrem Element ist.

Der erste „Versuch“ sei dann auch nicht besonders gut gelaufen, erzählt sie lachend. „Ich dachte, das schaffe ich nie. Doch dann habe ich mein eigenes System entwickelt und es lief.“ Zurzeit ist sie beim Musical „Cabaret“ im Einsatz und wie schon 2015 für Sängerin und Schauspielerin Helen Schneider zuständig.

Taschentücher und nette Worte

Zu Beginn des Engagements gilt es, erstmal die Kostüme kennenzulernen. Auch bei den Proben sind die Ankleider schon dabei, schließlich muss auch das Umziehen zur richtigen Zeit auf, neben oder hinter der Bühne geübt werden. In einer Gürteltasche hat Nordheim Nadel, Faden und andere „Notfallwerkzeuge“ dabei. Manchmal sind aber schlicht auch Taschentücher oder ein paar nette Worte gefragt. Privatgespräche werden nur vor oder nach der Vorstellung geführt, nicht währenddessen.

Bei den meisten Umzügen, muss es schnell gehen, und das auf kleinem Raum. Da muss jeder Handgriff sitzen. Vorsicht ist mit den Mikrofonen angesagt, die beim Umkleiden natürlich nicht beschädigt werden dürfen. Auch das Platzieren von Accessoires, die von den Darstellern während der Aufführung benötigt werden, gehört zu Nordheims Aufgaben.

Zur Person
Ilse Nordheim (70) kommt aus Bad Hersfeld, hat mit ihrem Mann aber viele Jahre an verschiedenen Orten in Deutschland und in der Schweiz gelebt. Sie ist gelernte Großhandelskauffrau und hat eine Ausbildung in Krankenpflege. Inzwischen lebt die 70-Jährie schon seit einigen Jahren wieder in ihrer Heimatstadt. Sie hat eine Tochter und einen Sohn. Mit ihrem Mann ist Nordheim viel gereist. Sie interessiert sich für kreative Handarbeit und ist computerbegeistert. (nm)

Nach der Vorstellung wird ein Teil der Kleidung gewaschen, vor dem nächsten Auftritt muss manches gebügelt werden. Auch darum kümmert sich Nordheim. „Das Ankleiden ist viel mehr als Anziehen“, betont die 70-Jährige. „Irgendwie ist man Mädchen für alles.“ Gegen 17 Uhr beginnt für Nordheim der Einsatz, nach Hause geht es erst weit nach Mitternacht. „Aber das macht mir nichts aus“, sagt die aktive Rentnerin.

Ruhe bewahren

Als Ankleider müsse man gut organisiert sein und auch in stressigen Situationen Ruhe bewahren. Im Umgang mit den Darstellern dürften die Ankleider keine Berührungsängste haben, sie sollten Vertrauen ausstrahlen, aber auch respektvolle Distanz wahren. „Die Darsteller verlassen sich auf uns“, betont die 70-Jährige. Den Umgang mit Stress habe sie über viele Jahre gelernt, in denen sie ihren Mann unterstützte, der selbstständig im Import/Export tätig war. Ihr Interesse an kreativer Handarbeit und ihr handwerklich-hausfrauliches Geschick kommt der Hersfelderin ebenfalls zugute.

Ob sie auch im nächsten Jahr wieder dabei sein will? „Solange ich darf und es gesundheitlich möglich ist, mache ich gerne weiter.“

Kommentare