Das Deutsche Theater Göttingen zeigte „Dantons Tod“ in der Bad Hersfelder Stadthalle

Nackte Haut und viel Blut

Anhänger Dantons und Robespierres gehen aufeinander los. Im Hintergrund warten Philippeau (Florian Eppinger), Danton (Jan Pröhl) und Camille (Meinolf Steiner) auf ihre Exekution. (von links) Foto:  Radick

Bad Hersfeld. Vom Callgirl über den Playboy bis hin zum Terroristen war in der Bad Hersfelder Stadthalle, zumindest von den Kostümen her, am Samstagabend alles vertreten. Das Deutsche Theater in Göttingen brachte eine sehr zeitnahe und provokante Inszenierung von Büchners „Dantons Tod“ auf die Bühne.

Über zwei Stunden lang fühlten sich wohl 50 Zuhörer im Publikum wunderbar unterhalten, zum Nachdenken gebracht und auch schockiert.

Zugegeben, es ging um die französische Revolution, und man erwartete Bajonette und gepuderte Perücken auf der Bühne. Stattdessen wurde man mit Maschinenpistolen und Sturmmasken konfrontiert. Das mag befremdlich gewirkt haben, machte das Stück aber aktueller denn je.

Doch bereits in der Pause war unüberhörbar, dass diese Meinung nicht alle Zuschauer teilten. Wenig Sinn für die neuen Wege im Theater bewies rund ein Dutzend Besucher, die nach der Pause nicht mehr in den Saal zurückkehrten und die Pause zur Flucht nutzen. Doch mit einer nicht-traditionellen Aufführung hätte man rechnen können, liegen doch moderne Inszenierung gerade sehr im Trend.

Aktualität vor Originalität

Die Kulisse erinnerte an das Finale des Horrorfilms „Saw“: Ein dreckiger, weiß-gefliester Raum, der später mit reichlich Kunstblut besudelt werden sollte, einzig der mit französischen Fahnen geschmückter Kaktus wollte nicht so recht ins Bild passen.

Die beiden Hauptdarsteller, Jan Pröhl (Danton) und Philip Hagmann (Robespierrre) bewiesen ihr schauspielerisches Talent. Ein Robespierre, der noch fanatischer, ein Danton, der noch zweifelnder ist, sind kaum denkbar. Nicht selten gab ein Wort das andere. Von auswendig gelerntem Text keine Spur.

Sehr freizügig

Auch mit nacktem Fleisch wurde nicht gegeizt: Spärlich bekleidete Mädchen, die mit „Egalité“-Schildern oder „Liberté“-Mützchen über die Bühne stolzierten, die vier Angeklagten, die sich erst aus- und dann die Gefängniskluft wieder anziehen mussten nachdem sie abgeduscht wurden. So stellt man sich die Inhaftierung in Quantanamo vor.

Und auch über Tote sollte man sich nicht wundern, geht es in dem Stück doch um die französische Revolution. Aber warum die vier Verurteilten nur symbolisch von der Kulisse ins Dunkel hinter der Bühne sprangen, und Robespierre zur Verdeutlichung ihres Todes einen Beutel Kunstblut an die Wand warf; Camilles Frau jedoch auf der Bühne mit einer Waffe an der Schläfe hingerichtet wurde und in einer Blutlache liegenblieb, bleibt fraglich. Das war dann doch zuviel des Guten.

Von Irene Radick

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