Schaustellerfamilie Galle hat Standplatz aufgegeben

Nach über 50 Jahren: Lolls ohne Bulldozer

In diesem Jahr nicht auf dem Lolls-Platz: Mit ihrem Glücksspiel-Stand „Bulldozer“, später unter dem Namen „Oasis Casino“ war die Familie von Rudi Galle (links) seit über 50 Jahren Gast auf dem Lullusfest. Unser Foto entstand im Jahr 2009 beim Abbau. Archivfoto: Szerman

Bad Hersfeld. Über mehr als fünf Jahrzehnte war der Bulldozer einer der Fixpunkte auf dem Lollsmarkt. Das Spielkasino der Familie Galle gehörte zu den Attraktionen, die jährlich auf dem Festplatz vertreten waren. In diesem Jahr steht auf dem Stammplatz gegenüber des News-Cafes allerdings ein anderer Stand.

Die Entscheidung, nicht mehr aufs Lolls zu kommen, sei ihm nicht leicht gefallen, betont Bulldozer-Betreiber Rudi Galle. Vor 54 Jahren waren seine Eltern mit den Automaten, in denen Rechen die eingeworfenen Münzen verschoben, zum ersten Mal auf dem Lullusfest. „Das war immer etwas Besonderes“, berichtet der gebürtige Niederländer. „Weil der Termin in den Ferien lag, war ich schon als Kind immer dabei“, erzählt der 48-Jährige.

Terminkonflikte

Nur wenige Stunden vor der Lolls-Eröffnung enden die Cannstatter Wasen, eines der größten Volksfeste in Deutschland. Das bringt Galle, der dort mit seinem etwas größeren Spielcasino vertreten ist, in Terminkonflikte. In der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt hat das Unternehmen auch seinen Firmensitz. „Auf dem Lullusfest habe ich deshalb immer das Geschäft meiner Eltern genutzt“, berichtet der Schausteller. Seit diesem Jahr stehe dieser Stand aber nicht mehr zur Verfügung. Zum einen, weil er älteren Baujahres gewesen sei, aber auch „aus persönlichen Gründen“, die Galle nicht näher erläutern möchte. Das Umsetzen des Casinos aus Stuttgart sei innerhalb einer so kurzen Zeit nicht möglich, die Anschaffung einer zweiten transportablen Spielhalle lohne sich wirtschaftlich nicht. „Zumal ich außer den acht Tagen Lolls keine andere Veranstaltung damit beschicken kann“, erklärt der 48-Jährige.

„Ein Stückchen Heimat“

Dennoch: Ganz abgeschlossen hat Rudi Galle mit Bad Hersfeld und dem Lullusfest nicht: „Da hängen Emotionen dran. In all den Jahren sind viele Freundschaften entstanden. Lolls ist für mich ein Stückchen Heimat“, betont er. Schausteller-Kollegen vom Lolls haben ihm am Telefon davon erzählt, dass schon mehrere Besucher nach dem Verbleib des Bulldozers gefragt haben. „Das tut schon ein bisschen weh“, sagt Galle.

Privat möchte der 48-Jährige dem Lullusfest verbunden bleiben. Außerdem hegt Rudi Galle eine Hoffnung: „Vielleicht bekomme ich in Zukunft so viele Veranstaltungen zusammen, dass sich ein zweites Geschäft lohnt“. Dann würde er auch gerne wieder nach Bad Hersfeld kommen.

Von Jan-Christoph Eisenberg

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