Drogensüchtiger Ex-Hersfelder wegen räuberischen Diebstahls verurteilt

Nach dem Schlag Blut gespuckt

Bad Hersfeld. Zu zwei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilte das Schöffengericht in Bad Hersfeld einen 50 Jahre alten Mann, der einen räuberischen Diebstahl in Tateinheit mit Körperverletztung sowie fünf weitere Eigentumsdelikte begangen hatte.

Das Urteil von Richter Michael Krusche und den beiden Schöffen lag exakt zwischen den Anträgen von Staatsanwältin Birgit Meeuw-Wilken und der Verteidigung und war auch im Tenor als Kompromiss gedacht.

Zum einen trug das Gericht der „tragischen Geschichte“ des Angeklagten Rechnung, dessen Leben von Drogensucht und der damit einhergehenden Beschaffungskriminalität geprägt ist. Deswegen wurde ihm auch verminderte Schuldfähigkeit zugestanden.

Zum anderen hielt das Gericht jedoch am schwerwiegendsten Vorwurf des räuberischen Diebstahls fest, den die Verteidigung gerne in einen einfachen Diebstahl abgemildert hätte.

Thoraxprellung

Der Auftritt des Ex-Hersfelders, der derzeit wegen Hehlerei in Fulda inhaftiert ist, im Rotenburger Herz- und Kreislaufzentrum, war nämlich nicht ohne: Nachdem er beim Diebstahl zweier Geldbörsen in einem Stationszimmer von zwei Krankenschwestern überrascht wurde, schlug er eine von ihnen so vor die Brust, dass die junge Frau nachher Blut spuckte und wegen einer Thoraxprellung behandelt werden musste. Diese Gewalttat sah das Gericht nicht nur als Mittel, um unerkannt die Flucht ergreifen zu können, sondern auch als Absicht, die Beute behalten zu können. Pech für den Angeklagten: im Portemonnaie fanden sich nur vier Euro.

Auch das angebliche Mitleid, das der Angeklagte im Bad Hersfelder Altenzentrum Hospital angesichts einer in ihrem Zimmer schlafenden alten Frau empfunden haben wollte, nahm ihm das Gericht nicht ab: Er habe angenommen, der Raum sei leer, sagte Richter Krusche, und nun Angst vor Entdeckung gehabt und folglich sein Risiko abgeschätzt.

Auch der Diebstahl eines Pkw wurde als solcher bewertet und nicht nur als vorübergehende „unbefugte Inbesitznahme“: Das Auto wurde auf einem abgelegenen Parkplatz abgestellt, die Papiere hatte der Angeklagte an den Norschulteichen in Bad Hersfeld versteckt.

Unstrittig waren die anderen Fälle, darunter der Diebstahl einer Goldkette aus dem Zimmer einer Bewohnerin des Hersfelder Altenzentrums.

Einziger Fixpunkt

Das Bemühen der beiden Rechtsbeistände des 50-Jährigen, Fritz Kramer und Christian Kusche, die Strafe auf zwei Jahre zu begrenzen, erklärte sich durch ernsthaftes Bemühen ihres Mandanten, seiner Drogensucht zu entfliehen. Die Kostenzusage für eine Therapie spielte dabei eine Rolle wie auch die Beziehung zu einer Frau, dem einzigen Fixpunkt im Leben des Angeklagten.

Weil die Drogenthematik im schriftlichen Urteil vermerkt sein wird, sah Richter Krusche die etwas höhere Strafe jedoch nicht als Hindernis auf dem Weg in eine suchtfreies Leben an.

Von Karl Schönholtz

Kommentare