HZ-Wochenendportrait: Hugo Wieg hat die „Zauberflöte“ in der Ruine inszeniert

Nach dem Mozart-Prinzip

Mit einem wichtigen Requisite der Zauberflöte: Hugo Wieg zeigt den Sonnenkreis, den die Königin der Nacht in ihren Besitz bringen möchte. Foto: Broy

Bad Hersfeld. Hugo Wieg ist ein glühender Verehrer von Wolfgang Amadeus Mozart – nicht nur beruflich, auch privat. „Mozart fordert in jedem seiner Werke die Männer auf, ihren Frauen zu vertrauen, arbeitet nach dem weiblichen Prinzip. Genauso lebe ich, denn meine Frau ist der entscheidende Rückhalt in meinem künstlerisch-chaotischen Leben“, erzählt Wieg, der die „Zauberflöte“ für die Opernfestspiele inszeniert hat.

Endgültig für diesen künstlerisch-chaotischen Weg hat Wieg sich erst vor vier Jahren entschieden. Der heute 64-Jährige gab eine Festanstellung in Stuttgart auf, um auf selbstständiger Basis als Opernsänger und Regisseur zu arbeiten. „Ich arbeite jetzt für jeden, der mich haben möchte und unterrichte nach wie vor fest an der Opernschule in Halle“, erklärt er.

Nah am Original

Sorgen um die Auftragslage bis zur Rente macht er sich nicht: „Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie irgendwo beworben. Trotzdem hatte ich immer Angebote. Eigentlich kann ich jetzt schon sagen, dass ich auch als Rentner nicht still sitzen werde.“

Nach dem Abitur begann Wieg ein Theologiestudium, brach es aber nach einem Jahr ab und ließ sich zum Opernsänger ausbilden. Schon während des Studiums arbeitete er als Regisseur, war in Gera, Jena, Halle und Erfurt tätig.

In der Stiftsruine, die Wieg „wunderbar und durch die weiten Wege sehr reizvoll“ nennt, hat er bereits Figaro (2007) und „Hänsel und Gretel“ (2008) inszeniert.

Seine Arbeit ist von einem Prinzip durchzogen: „Der Maßstab ist die Partitur. Ich bleibe immer so nahe am Original, wie nur möglich.“ Moderne Elemente lehnt er ab. „Vor kurzem habe ich eine Zauberflöten-Inszenierung gesehen, in der der Papageno ein angelnder Pinguin ist. In meinen Augen funktioniert das nicht.“

Mit der Zauberflöte hat Wieg sich schon oft beschäftigt: „Mit einer einstündigen Fassung speziell für Kinder.“ Außerdem hat er über 100 mal den Sarastro selbst gesungen. „Und trotzdem, jeden Tag entdecke ich noch etwas Neues in den Texten.“ Der Regisseur lebt mit seiner Frau und den acht Jahre alten Zwillingen in seinem Heimatort, dem thüringischen Breitenworbis. In einer Scheune hat er dort ein eigenes Theater mit 99 Sitzplätzen gebaut, in dem er mit Kindergruppen arbeitet, zuletzt an einer Aufführung der Bremer Stadtmusikanten.

Selbst der Ausgleich, den Wieg sich zur Musik gesucht hat, ist ein künstlerischer: „Architektur. Besonders im Erfurter Dom kenne ich mich aus“ sagt er und lacht.

Von Sonja Broy

Kommentare