Bad Hersfeld feiert Volker Lechtenbrink, der aus seinem Buch liest, singt und plaudert

Nach Hause kommen

Von den Dingen, die er mag, erzählt Volker Lechtenbrink in einem seiner Lieder. Begleitet wurde er von Helgo Hahn am Klavier.

Bad Hersfeld. Es ist eine große Liebe zwischen Volker Lechtenbrink und Bad Hersfeld. Schon beim lang anhaltenden Begrüßungsbeifall schwappt eine Welle des Wohlwollens aus der ausverkauften Stadthalle zu dem Schauspieler, dreifachen Hersfeldpreis-Träger, Sänger und ehemaligen Festspiel-Intendanten auf die Bühne und der genießt diese Zuneigung, läuft zu persönlicher Bestform auf. Eingeladen hatte die Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine.

Zweite künstlerische Heimat

Bad Hersfeld sei, so sagt er, seine zweite künstlerische Heimat. „Wenn ich in Bad Hersfeld eingefahren bin, hatte ich immer das Gefühl, ich komme nach Hause.“ Das soll er, so der von Volker Lechtenbrink, Intendant Holk Freytag und Publikum gemeinsam getragene Wunsch, im kommenden Jahr recht oft wieder haben. Moderator Markus Pfromm und der Intendant denken laut gemeinsam über die Möglichkeit einer Inszenierung der „Drei Musketiere“ durch Volker Lechtenbrink nach – vorbehaltlich der Zustimmung durch den Magistrat natürlich.

Beim gemeinsamen Essen (knusprige Dorade für Freytag, Lammkeule aus dem hessischen Kegelspiel für Lechtenbrink) waren sich der ehemalige und der jetzige Intendant am Vorabend diesbezüglich wohl nähergekommen. „Wir wollen es beide“, gestand Freytag. Auch Julian Weigend sitze bereits in den Startlöchern, erfahren die Besucher.

Darüber hinaus hören die Hersfelder, dass Volker Lechtenbrink im Jahr 1943 im ostpreußischen Königsberg gezeugt wurde, um seine Mutter vor der Einberufung als Arbeiterin in einer Munitionsfabrik zu bewahren. Lechtenbrink erzählt von der Existenzangst, dem Dämon aller Schauspieler, von seinen vier beglückenden Ehen – er ist allen Ex-Frauen freundschaftlich verbunden – und von seinen Eltern, die jedes seiner Stücke besuchten und oft auch noch Freunde mitbrachten. „Mein Vater wäre so stolz gewesen auf meinen Posten als Intendant“, ist Lechtenbrink überzeugt. Leider habe der Vater das nicht mehr miterleben können.

Voll besetzt war die Stadthalle, als Volker Lechtenbrink (links) aus seinem Buch las, sang und mit Markus Pfromm plauderte. Eingeladen hatte die Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine. Fotos: Hartmann

Er selbst ist auch stolz und erzählt von einer „fantastischen Zeit“, in der die Festspiele Besucherrekorde brachen. Höchst amüsant schildert er die Eröffnungsfeiern, zu denen er als Festredner Will Quadflieg und Martin Benrath gewinnen konnte, unter anderem mit dem Hinweis auf die von beiden geschätzte ahle Wurst. Hellmuth Karasek sei in letzter Minute angereist und dann verschwunden, weil er es sich unter der Bühne auf einer Liege zu einem Nickerchen bequem gemacht hatte.

HZ-Geschäftsführer Markus Pfromm erinnert sich an lange Nächte in der Kantine mit Volker Lechtenbrink, der wohl auch einmal beim Kartenspielen ein Mofa von einem Hersfelder gewann. Das habe er nach einem nächtlichen Unfall wieder zurückgegeben, erzählt Lechtenbrink. Sein Kollege habe sich dabei drei Tage vor der Premiere das Gesicht völlig zerkratzt.

Matinee mit Volker Lechtenbrink

Aber Volker Lechtenbrink ist nicht nur als Schauspieler und Intendant bekannt, sondern auch als Sänger. Und deshalb kommt er nicht von der Bühne, ohne zwei seiner bekanntesten Lieder zu singen. Am Klavier begleitet ihn Helgo Hahn, ein alter Freund. Ebenso übrigens wie Stefan Kuno, der Ausstattungsleiter der Festspiele, der gemeinsam mit Dieter Jung die Bühne festlich dekoriert hat.

Zum Abschluss gibt es noch einmal Liebe für einen sichtlich gerührten Volker Lechtenbrink: Stehende Ovationen!

Von Christine Zacharias

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