Beim Titanic-Dinner im Bistro „Konrads“ plaudert das Ensemble über die Inszenierung

Nach dem Essen sinkt das Schiff

Umarmung für die Küchenchefin: Cyril Sjöström und Rosemarie Dräger.

Bad Hersfeld. Eine lange Tafel, fein eingedeckt, die Weingläser auf Hochglanz poliert, an den Wänden Rettungsringe. Gegenüber in der Schilde-Halle laufen die Proben für das Festspiel-Stück „Der Untergang der Titanic“ auf Hochtouren, im Bistro „Konrads“ wird ein Titanic-Dinner serviert. Zwölf Gänge speisten einst die Passagiere der ersten Klasse, auch in Hans-Magnus Enzensbergers Versepos, der Vorlage für das Festspiel-Stück, wird das Menü erwähnt.

Zu allen Aufführungen des Stücks lädt deshalb das Bistro im Erlebnis-Museum wortreich zum Dinner, das keine zwölf, aber immerhin drei Gänge umfasst. Zum Probeessen sind Journalisten, die wortreich-Chefetage und auch auch Mitglieder des Ensembles gekommen. Cyril Sjöström spielt im Stück einen Passagier. Livio Cecini, vielen Hersfeldern noch als Mann mit Huhn in „Carmen“ in Erinnerung, verkörpert den Reeder Ismay. Regieassistentin Martine Miville und Bühnenbildnerin Elena Ortega haben sich für eine Weile aus dem Proben-Stress vor der Premiere ausgeklinkt. Auf ein Glas Wein gesellt sich auch Intendant Holk Freytag dazu.

Die schlechte Akustik der Schilde-Halle nach dem Umbau habe Probleme bereitet, berichtet er, nachdem die Gesellschaft Blattsalat in Champagner-Safran-Vinaigrette mit pochierten Lachsstreifen verzehrt hat. Auch vom Plan, die Bühne unter Wasser zu setzen, sei man aus technischen Gründen abgerückt. Für Freytag ist der Untergang der Titanic auch eine Verkettung von Dummheiten – und damit auch 100 Jahre nach dem Unglück aktuell. Denn sehenden Auges ins Unglück laufe die Menschheit auch heute noch.

Tragische Figur

„Die Regisseurin hat uns mit Literatur ausgestattet, in der die Passagiere genauer beschrieben wurden“, berichtet Livio Cecini, nachdem Lendenfilet vom Rind mit Calvados-Apfelsoße mit Minterbsen und neuen Kartoffeln – für die Vegetarier Zucchinischiffchen – aufgetischt wurden. Eine tragische Figur sei der Reeder, begeistert, dann als erster in Panik, und doch verteidige er sein Schiff bis zuletzt.

Die Figur Ilmary Alhomäki, den Cyril Sjöström spielt, sei ihrer Zeit voraus: „Er versucht die dritte Klasse zum Aufstand aufzurufen, damit sie ihr Schicksal nicht einfach hinnimmt“, erzählt der in Berlin geborene Schauspieler.

„Das Stück ist eine Komödie. Schön wäre es, wenn das Publikum auch lacht und nicht alles bierernst nimmt“, sind sich die Darsteller einig.

Als die Nachspeise serviert wird, spendet die Tafelrunde den Köchen Applaus.

Ein verliebtes Paar an der Reeling wie im DiCaprio-Film, eine Komödie oder doch ein ernstes Drama, was erwartet die Zuschauer? „Von allem etwas“, sagt Martine Miville bei Schokoladen-Eclairs mit Vanillecremefüllung an karamellisierten Äpfeln und Pfirsichen.

Zum Abschied umarmt Cyril Sjöström „Konrads“-Chefin Rosemarie Dräger. „Mein Vater macht das auch immer so, wenn es geschmeckt hat“, erklärt er. Dann eilen die Schauspieler in Richtung Schilde-Halle, wo für die Premiere noch eifrig geprobt wird. DAS MENÜ

Von Jan-Christoph Eisenberg

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