Urban Priol gastierte mit „Wie im Film“ in der ausverkauften Stadthalle

Mutti wird es richten

Erst drei Stunden lang voller Einsatz auf der Bühne der Stadthalle (oben), dann nahm Urban Priol sich noch Zeit, um die vielen Autogrammwünsche zu erfüllen. Fotos:  Schmidl

Bad Hersfeld. „Du wachst auf und denkst dir – ich bin im falschen Film“. Vielleicht in „Inglorious Basterds“ mit Til Schweiger, der nach drei genuschelten Sätzen zum Glück erschossen wird. Jetzt schändet der Schauspieler, der die Zähne nicht auseinander bekommt, den Tatort. Das gefällt Urban Priol, einem der erfolgreichsten Kabarettisten der letzten Jahre, überhaupt nicht. Am Donnerstag stand er auf der Bühne der ausverkauften Stadthalle und nahm kein Blatt vor den Mund.

Körperlich erdnah gewachsen, wächst der gebürtige Aschaffenburger mit der extravaganten Frisur in seinem dreistündigen Programm „Wie im Film“ über sich hinaus. Bei seiner Betrachtung der aktuellen Situation in Deutschland müssen ihm die Haare ja zu Berge stehen. „Ein Land ohne Agenda, eine Regierung ohne Kompass. Ein Regierungsprogramm mit dem Motto: „Scheitern als Chance“.

„Quoten-Trulla“

Musste er sich jahrelang mit „dem Dicken“, plagen, erregt nun das scheinheilige Ostgesteck sein Gemüt. Mutti Angela Merkel, „die gute Patin von Europa“, die ausgerechnet am Neujahrsfest zum „Jahr des Drachens“ in China zu Besuch ist.

Aber auch an der „Quoten-Trulla“ Kristina Schröder und dem Blender, Trickser und Messias Karl-Theodor zu Guttenberg lässt er kein gutes Haar. Seine Berufsehre sieht er durch die schwarz-gelbe Chaoten-Combo verletzt, die jeden Tag sein Programm schreibt.

Über das „Dreikäsehochtreffen“ der FDP, die Realitätsferne in der Politik, die Mindestlohndebatte und die Armutsgrenze. „Niemand kann die Notwendigkeit der Armut so anmutig erklären wie Ursula von der Leyen“. Ständig in Bewegung und mit verzweifelten Gesten regt sich der Gegner und Kritiker der Regierungsarbeit stellvertretend für sein Publikum auf. So kennen ihn seine Fans von seinen zahlreichen Auftritten im Fernsehen, unter anderem im „Scheibenwischer“, bei den „Mitternachtsspitzen“ und in der Kabarettsendung „Neues aus der Anstalt“. Auch die Kritiker sind begeistert von dem intelligenten Spott des Mannes, der an diesem Abend tagesaktuell den Zapfenstreich für Christian Wulff, den Schnäppchenjäger im Schloss, thematisiert.

Mit vielen treffsicheren Pointen, als Stimmenimitator und mit seiner unnachahmlichen Art, Angela Merkel nachzuäffen, sorgt er für herzhafte Lacher. Urban Priol, ein glänzender Rhetoriker, bietet erstklassige Polit- und Gesellschaftssatire, bei der die Euro-Rettung, Ratingagenturen und die Atompolitik nicht fehlen dürfen.

Stehende Ovationen

Der leidenschaftliche Zapper nimmt aber auch Homeshopping, Castingshows und Astro-TV, betrügerische Kaffeefahrten, die Glücksindustrie rund um Dr. Eckart von Hirschhausen und das unerträgliche Gewimmer von „Juli“, „Silbermond“ und den „Söhnen Mannheims“ im Radio aufs Korn. Vieles ist eben „Alternativlos“. Eines seiner Lieblingswörter wäre der bessere Titel für sein mit stehenden Ovationen gefeiertes Programm gewesen.

Von Gudrun Schmidl

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