Energieversorger soll an Landkreise verkauft werden

Mutterkonzern will sich von Eon-Mitte trennen

Kassel/Göttingen. Der Energiekonzern Eon will seine Anteile an Eon Mitte (73,3 Prozent) verkaufen. Er wird sie nach Informationen unserer Zeitung am Montag in einem offiziellen Schreiben den übrigen Anteilseignern anbieten. Das sind elf Landkreise in Hessen, Südniedersachsen, Ostwestfalen, Thüringen und die Stadt Göttingen.

Dass am Montag ein Angebot kommen wird, bestätigt indirekt die Stadt Göttingen: „Das liegt im Bereich des Möglichen“, teilte ein Sprecher mit. Die Konzernleitung der Eon in Düsseldorf sagte gestern, man befände sich selbstverständlich immer im Gespräch mit den anderen Anteilseignern. Die aktuelle Entwicklung wolle man aber nicht kommentieren. Eon-Mitte in Kassel würde sich dieser Auskunft anschließen, hieß es dazu aus Düsseldorf.

Der Sprecher der Stadt Göttingen, Detlef Johannson, sagte, man werde ab Montag sicherlich darüber nachdenken, wie ein möglicher Kauf von weiteren Anteilen zu bewerkstelligen sei. Göttingen hält als einer der größten kommunalen Anteilseigner 3,9 Prozent an Eon-Mitte.

Beim Landkreis Kassel (3,3 Prozent) wäre man grundsätzlich froh über das Angebot. Es sei prinzipiell gut, wenn die Energieversorgung in kommunaler Hand liege. Wie die Übernahme weiterer Eon-Mitte-Anteile bezahlt werden könne, ist aber unklar. Die Landkreise haben ein vertraglich geregeltes Vorkaufsrecht.

Hintergrund des Verkaufs soll eine neue strategische Ausrichtung von Eon sein. Was das für die 1300 Arbeitsplätze bei Eon-Mitte und die Hauptzentrale in Kassel bedeutet, ist unklar.

Experten meinen, dass ein Konsortium aus den Landkreisen und der Thüga-Gruppe den Ankauf stemmen könnte. Thüga ist ein Netzwerk aus kommunalen und regionalen Energieversorgen mit einem Umsatz von 21 Milliarden Euro, hinter dem 450 Städte stehen.

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Von Claas Michaelis und Frank Thonicke

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