Zlatka Poppe ist alleinerziehende Mutter – und Direktionsassistentin im Thermalis

Mutter und Anführerin

Zlatka Poppe (rechts) freut sich: Die alleinerziehende Mutter ist seit Dezember 2011 Direktionsassistentin im Hotel Thermalis. Für das Foto servierte sie der Ersten Kreisbeigeordneten Elke Künholz (Mitte) und Hotel-Direktorin Kirsten Stehling Sekt. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Jahrelange Erfahrung in der Gastronomie und ein betriebswirtschaftliches Studium an der Hotelfachschule in Fulda: Trotzdem fand Zlatka Poppe lange keinen ihrer Qualifikation entsprechenden Job, stattdessen hielt sie sich als Servicekraft über Wasser. Denn die 37-Jährige ist alleinerziehende Mutter. Das war für viele Chefs offenbar ein Problem.

Kirsten Stehling, Direktorin des Hotels Thermalis, gab ihr schließlich eine Chance. Seit Dezember 2011 arbeitet Poppe dort als Direktionsassistentin und damit unbefristet in einer Führungsposition. Poppe ist verantwortlich für den Bereich Restaurant und Bar, zu ihren Aufgaben gehören unter anderem das Schreiben von Dienstplänen und das Bestellen von Speisen und Getränken. Die im Service erfahrene 37-Jährige bedient aber häufig auch selbst und schätzt den Kontakt zu den Gästen.

„In unserer Branche arbeiten vorwiegend Frauen, von daher sind wir vielleicht weniger ängstlich als andere Arbeitgeber“, so Kirsten Stehling. Sie stellt aber auch klar: „Die Betreuung muss geregelt sein und die Mitarbeiterin muss wissen, worauf sie sich einlässt. Das muss funktionieren, wie, ist mir egal. Bei Frau Poppe funktioniert es.“ Einen positiven Eindruck habe die Mutter eines Sohnes auch schon vor dem ersten Gespräch gemacht, indem sie ihre Bewerbungsunterlagen persönlich einreichte.

Ohne Hilfe geht es nicht

Dank flexibler Arbeitszeiten mit Früh- und Spätschicht – wie sie in der Branche ohnehin üblich sind – ist es Poppe möglich, nachmittags Zeit mit ihrem Sohn zu verbringen. Ohne Unterstützung von außen geht es aber natürlich nicht. Der Viereinhalbjährige hat einen Ganztagsplatz im Kindergarten, ansonsten kümmert sich eine Nanny um ihn. Auch bei der Anstellung des Kindermädchens bekam Poppe Unterstützung von ihrer Chefin: Sie vermittelte ihm einen Zweitjob als Zimmermädchen.

Über das „Paradebeispiel“ Zlatka Poppe und den Vermittlungserfolg freuen sich auch die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz, Hildegart Hehr-Willhardt vom Arbeitgeberservice des Kreises und Jacqueline Michel als zuständige Fallmanagerin im Jobcenter, die Poppe jetzt an ihrem Arbeitsplatz besuchten. „Die Vermittlung von Alleinerziehenden liegt uns sehr am Herzen“, sagt Elke Künholz. Deren besondere Kompetenzen seien häufig gutes Organisationstalent und Zeitmanagement sowie eine hohe Belastbarkeit. Künholz war selbst zehn Jahre lang alleinerziehend mit zwei Kindern. Die Vermittlung von alleinerziehenden Müttern oder Vätern in ihren Qualifikationen entsprechende Vollzeitstellen sei außerdem auf lange Sicht sinnvoll, zum Beispiel wenn es später um die Rente geht.

„Mein Sohn weiß, wo Mama arbeitet und wo bei Frau Stehling Gummibärchen stehen“, berichtet Zlatka Poppe lachend. Stehling habe ihrem erstaunten Sohn zudem erklärt, dass auch Frauen „Anführerinnen“ sein können – „jetzt will er auch mal hier arbeiten“. Texte links

Von Nadine Maaz

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