Mit einer Matinee zum 200. Geburtstag Richard Wagners endeten die 53. Festspielkonzerte

Mutige Annäherung

Auch die Hersfelder „Carmen“ Barbara Buffy (stehend rechts) gehörte zum Abschluss der Festspielkonzerte zu den Solistinnen der Wagner-Matinee in der Stiftsruine. Foto: Rothe/nh

Bad Hersfeld. Die osthessische Richard-Wagner-Hommage zum 200. Geburtsjahr endete mit einem Orchestervorspiel. Es hätte – bei nun folgender Opernhandlung und sich öffnendem Bühnenvorhang – unmittelbar in die erste Szene münden müssen. Die spielt im Gottesdienst der Nürnberger Katharinenkirche und beginnt mit einem Choral samt Orgelbegleitung.

Dabei entspinnt sich eine der köstlichsten Eheanbahnungs-Episoden des gesamten Bühnenrepertoires. Echt Wagner: Seine einzige heitere Oper – richtig: „Die Meistersinger von Nürnberg“ – beginnt mit einem Choral, und auf dessen Text „Da zu dir der Heiland kam“ setzt ein entzückendes Liebesgeplänkel ein, in dem obendrein, genau besehen, die Braut den Heiratsantrag macht.

Das nächste Wagner-Jubiläum ist 2033 zum 150. Todesjahr. Aber auch dann wird es auf der Bühne der Stiftsruine keine „Meistersinger“ geben und auch keinen „Tristan“ und keinen „Parsifal“ – obwohl der hierher gut passen würde. Der schnöde Grund: Wer soll das bezahlen, so viel Kunst, so viel Bühnenaufwand, so viel Drumherum? Und Wagnersänger sind noch seltener dann als heute schon.

Noch nicht satt

Also behilft man sich mit konzertant gebotenen Auszügen. Aus drei Werken nämlich in der Sonntagsmatinee zum Abschluss der 53. Festspielkonzerte: dem „Fliegenden Holländer“ (der als einzige Wagneroper in den 1990er-Jahren auf der Stiftsruinenbühne komplett gegeben wurde), dem „Tannhäuser“ und eben den „Meistersingern“.

Man ist gerade außerhalb Bayreuths noch nicht wagnersatt, und unter den 800 bis 900 Besuchern waren womöglich mehr Wagnerkenner als unter denen, die da sangen und spielten. Denn deren Sinn steht zur Zeit mehr nach Mozarts „Entführung aus dem Serail“ und Bizets „Carmen“.

Die Hauptlast dieser mutigen Annäherung an Wagner trug das Orchester mit den großen Einleitungsmusiken aller drei Werke. Die Virtuosi Brunenses erwiesen sich einmal mehr als versiertes, prima eingespieltes Ensemble – auch wenn ihnen noch einige Violinen und eine Kontrabasstuba zu wünschen wären. Glänzen konnte die gesamte Bläserabteilung, besonders die Hörner.

Bei den Dirigenten sprachen Erfahrung und übergreifende Einsicht natürlich für Siegfried Heinrich („Meistersinger“) und Michael Stolle („Holländer“). Nachwuchsmann Markus Fischer kümmerte sich mehr um die gedruckte Partitur als etwa in der „Tannhäuser“-Ouvertüre um die bizarren Spielfiguren der Geigen, die ja die erotische Verzückung im Venusberg anzeigen.

Den Wagnergesang aus dem Zusammenhang zu reißen, ist immer schmerzlich. Vielleicht hätte man zur Überbrückung und inhaltlichen Einordnung an eine Moderation denken können. Einige Kurzbeiträge wurden hier noch zusätzlich gekappt, so die Senta-Ballade und Stolzings Preislied.

Mit feiner Lineatur

Am auffälligsten unter den sieben Solisten: Die Koreanerin Bomi Lee sang Elisabeths „Hallen-Arie“ (vom Beginn des 2. Akts „Tannhäuser“) als Einzige nicht nur bühnengerecht auswendig, sondern auch mit feiner Lineatur und in dem von Wagner so geliebten Zusammenklang von innigem Jubelton und Schmerzensakzent.

Barbara Buffy (Senta), Julia Fercho (Mary), Marcus Weishaar (Daland) und Florian Voss (Steuermann) sowie Leszek Solarski (Wolfram) und schließlich Herbert Wüscher (Stolzing) lösten ihre Aufgaben achtbar. Desgleichen der bei den Herren verstärkte Festspielchor, für den man seltsamerweise nur acht Sopranistinnen auftreiben konnte.

Von Siegfried Weyh

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