Roland Zahn wandert trotz Beinprothese quer durch Deutschland – Stopp in Hersfeld

„Mut gehört immer dazu“

Vital und lebensfroh: Der begeisterte Wanderer Roland Zahn ermutigte bei seinem Vortrag im Klinikum Bad Hersfeld andere Amputierte zu mehr Bewegung. Foto: Eichenauer

bad hersfeld. Als Roland Zahn 2006 aus dem Koma erwacht, fehlt sein rechter Unterschenkel. Nach einer Venenentzündung war sein Bein zu straff gewickelt worden. Es kam zu Vereiterungen und nach der folgenden OP war er zu früh entlassen worden. Schließlich muss der Unterschenkel des 75-Jährigen sogar amputiert werden.

Ein Jahr sitzt er danach in seinem „amputierten Porsche“, wie er den Rollstuhl scherzhaft nennt. „Damals war allerdings mein Handicap im Kopf größer“, sagt Zahn. Es ist seine Hauswirtin, die schließlich die „Bremse im Kopf“ abschaltet. Sie fordert ihn dazu auf, wieder zu laufen. Und so entdeckt Zahn seine Wanderlust ganz neu. Seit Februar diesen Jahres ist er quer durch Deutschland unterwegs und will damit andere Amputierte zu mehr Bewegung anregen.

„Bewegung beginnt im Kopf“

Über sein Schicksal und die 2000 Kilometer lange Wanderung berichtete der ehemalige Grafikdesigner am Montag in der Abteilung für Physikalische Therapie des Klinikums Bad Hersfeld. Organisiert wurde die Veranstaltung „MEHR Bewegung hilft“ von Abteilungsleiterin Beate Zeller und Andreas Becker vom Sanitätshaus Bad Hersfeld.

„Es geht nur mit Bewegung – aber ein bisschen Mut gehört immer dazu“, sagt Zahn zum Publikum, darunter auch mehrere Amputierte. Man brauche ein Ziel vor Augen, denn die Bewegung beginne im Kopf, erklärt er weiter.

Mit Rucksack und einem Berliner Bär als Kamerad ausgestattet, hat er nun schon 1175 Kilometer geschafft. Er läuft fünf Tage pro Woche, täglich ungefähr 12,5 Kilometer, danach folgen zwei Regenerationstage. Kürzlich ist er in unserer Region durch Leimbach gewandert und ist das Wandern noch lange nicht leid. „Je mehr ich mich bewege, desto besser geht es mir – ich fühle mich sauwohl.“

Doch natürlich ist nicht immer alles super. Zahn berichtet, er habe auf seiner Tour auch schon mit einem entzündeten Zeh zu kämpfen gehabt. „Aber man muss wieder aufstehen, und mein Körper tut das, was ich von ihm verlange.“ Amputierte sollen sich zwar nicht überfordern, dennoch warnt Zahn vorm Nichtstun – denn dann baut der Körper ab.

Motivation für Amputierte

„Es geht um Vergnügen im Leben“, betont Zahn. Dennoch ist eine so lange Wanderung mehr als nur Vergnügen. Zahn hat höhere Ansprüche: „Ich will mit meiner Wanderung andere Amputierte erreichen und sie vor allem zur Bewegung motivieren.“

Weitere Hilfen im Leben erhält Zahn durch eine Selbsthilfegruppe und den Bundesverband für Menschen mit Arm– oder Beinamputationen. Jeder kann in den Bundesverband eintreten, der auch auf politischer Ebene Amputierten helfen will, betont Zahn.

So kümmere sich der Verband beispielsweise um Fehler in Stadtplanungen, bei denen die Bedürfnisse von Amputierten nicht berücksichtigt wurden.

Nach dem Zwischenstopp in Bad Hersfeld ist Zahn jetzt in Richtung Süden unterwegs.

Von Laura Eichenauer

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