Man muss verrückt sein

Bad Hersfeld. Die Kantine gilt vielen als schönster Ort der Festspiele. Doch im Moment trüben Unstimmigkeiten zwischen Intendanz, Stadt und Gastronom die sonst so ausgelassene Kantinenatmosphäre. Karl Schönholtz und Kai A. Struthoff sprachen darüber mit Wirt Peter Heck.

Festspiel-Nostalgiker schwärmen immer noch von den legendären und exzessiven Nächten in der Kantine, die oft erst im Morgengrauen endeten. Gibt es das heute noch? 

Peter Heck: Nein. Nur wenn die Musiker da sind, dauert es manchmal etwas länger. Aber alles geht friedlich und lustig ab. Exzesse gab es hier schon lange nicht mehr.

Sind die Gäste braver geworden, oder woran liegt das?

Heck: Früher gab es hier nur ein Ensemble, das in allen Produktionen gespielt hat. Heute sind es mehrere Ensembles, und der Zusammenhalt ist nicht mehr so stark. Damals saßen alle an einem Tisch, heute ist das kaum mehr möglich, weil auch nie alle da sind.

Früher war die Kantine in erster Linie für das Ensemble da, heute ist sie ein öffentliches Lokal, in dem man auch Schauspieler trifft. Hat sich der Charakter der Kantine dadurch geändert?

Heck: Zwangsläufig, allein schon durch den Wechsel in dieses neue Gebäude. Wer so wie wir auf dem Präsentierteller sitzt, kann keine geschlossenen Bereiche für Schauspieler abtrennen. Die Gäste mischen sich daher mehr.

Ist der Kantinenwirt ein Gastronom wie jeder andere?

Heck: Bestimmt nicht, man muss schon ein bisschen verrückt sein, um das hier mitzumachen (lacht). Ich arbeite seit über 30 Jahren in der Gastronomie, und immer noch bin ich am liebsten in der Kantine. Man kann das nicht erklären. Es ist ein ganz anderes Flair. Wir haben hier eben ganz besondere Gäste, mit denen man auch umgehen können muss.

Zur Zeit gibt es atmosphärische Störungen zwischen Kantine und Intendanz. So ärgern sich manche über Ihre späte Öffnung und die angeblich zu hohen Preise?

Heck: Es lohnt sich einfach nicht für mich, für drei Mittagessen, ein paar Stück Kuchen zu öffnen. Wir haben das jetzt mehrere Jahre durchexerziert. Wenn die Probenzeit rum ist, ist hier mittags niemand. Wir haben es mit Kaffee und Kuchen probiert, und jedes Mal draufgelegt. Die Schauspieler sind tagsüber nicht hier, und für ein Laufpublikum sind wir zu weit außerhalb. Erst abends läuft es, aber auch nicht mehr so wie früher. Den Leuten sitzt das Geld nicht mehr so locker, aber man merkt auch, dass die Ruine nicht mehr so ausgebucht ist.

Sie sind sauer darüber, dass man ihnen am Eichhof durch die fehlende Pause das Geschäft kaputtgemacht hat?

Heck: Wenn ich gewusst hätte, dass es dort in diesem Jahr keine Pause gibt, wäre ich nicht rausgefahren. Mir fehlen deshalb 30 Prozent meines Umsatzes. Wie soll ich das auffangen?

Gab es dazu mal ein Gespräch mit Intendant Holk Freytag?

Heck: Der Intendant ist für mich leider nicht ansprechbar und weicht einem Gespräch aus. Deshalb habe ich dem Regisseur von Eichhof gesagt, wenn es keine Pause gibt, sind wir auch nur vor der Aufführung da, nicht mehr danach, es sei denn, es handelt sich um Firmenveranstaltungen, denn dann werden wir auch bezahlt.

Wie geht es jetzt weiter?

Heck: Ich werde der Stadt schreiben, dass ich für die Zelte und den Eichhof nicht mehr zur Verfügung stehe. Früher konnten wir Verluste mit den Einnahmen aus der Kantine auffangen, jetzt aber nicht mehr. Wenn ich die Firma weiterführen will, habe ich keine andere Wahl. Wir haben schon unsere Kosten gesenkt, wo es geht. Uns fehlen rund 50 Prozent gegenüber den Vorjahren.

Was könnte die Stadt tun, um Ihnen entgegen zu kommen?

Heck: Früher hatten wir zum Beispiel für die Zelte vor der Ruine zwei Mitarbeiter, die von der Stadt bezahlt wurden. Außerdem haben wir damals während der Festspielzeit keine Gebühren für Strom, Wasser und Müll bezahlt. Das alles habe ich auch dem neuen Amtsleiter vorgeschlagen, aber keine Antwort erhalten. Ohne Entgegenkommen der Stadt, kann aber auch ich mit meinen Preisen nicht weiter runter gehen.

Zur Person: Peter Heck (50) stammt aus Breitscheid und hat in Haiger-Burbach den Beruf des Kochs erlernt. 1981 zog er nach Bad Hersfeld zu seinem Lebenspartner, dem legendären Wirt der Festspielkantine, Günter Heck. Peter arbeitete zunächst in der Kantine des ehemaligen Fernmeldeamts in der Breitenstraße, ehe er 1989 den Bahnhofskiosk übernahm. Gemeinsam mit Günter, der 2008 verstarb, führte Peter zeitweilig vier Lokale, darunter die Bahnhofsgaststätte und die Stiftsschänke im Blauen Haus. Heute betreibt er neben der Festspielkantine mit dem VIP-Zelt vor der Ruine und dem Eichhof noch das Sportler-Eck und beschäftigt je nach Saison bis zu 40 Mitarbeiter. Sein Lieblingsgericht ist Linsensuppe.(ks)

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