Gerlinde Bannasch und ihr Buch über einen erschütternden sexuellen Missbrauch

Man muss nicht Opfer bleiben

Gerlinde Bannasch aus Asbach hat unter dem Namen Linda Prinz ein schockierendes Buch über sexuellen Missbrauch geschrieben. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Bis vor drei Jahren war Gerlinde Bannasch eine Hobby-Autorin wie viele andere auch. In ihrer Schublade warten Gedichte, Kindergeschichten und einige Illustrationen darauf, eines Tages veröffentlicht zu werden.

Dann aber begegnete die Asbacherin einer Frau, die ihr die schier unglaubliche Geschichte eines sexuellen Missbrauchs anvertraute. Und für Bannasch begann die Arbeit an einem ganz anderen Buch, das sie jetzt unter dem Pseudonym Linda Prinz mit dem Titel „Millis Lebensmärchen“ veröffentlicht hat.

Es ist die Geschichte eines Mädchens, das vom Babyalter an rituell missbraucht wird. Es ist aber auch die Geschichte einer Frau, die es als Erwachsene schafft, Hilfe zu suchen und anzunehmen und sich aus der Traumatisierung ihrer Vergangenheit zu lösen.

Perspektiven aufzeigen

„Man muss nicht Opfer bleiben. Es kann Heilung geben. Und der Glaube hilft dabei“, sagt die Autorin über die Intention, mit ihrem Buch nicht nur schockieren, sondern auch Perspektiven aufzeigen zu wollen.

Kennengelernt hat die 51-Jährige das etwa gleichaltrige Missbrauchsopfer in ihrer christlichen Gemeinde, wo die irgendwo in Hessen lebende Frau während eines Klinikaufenthaltes in Bad Hersfeld als Gast erschienen war.

Gerlinde Bannasch wollte und konnte zunächst nicht glauben, was da im vertraulichen Gedankenaustausch unter Frauen erzählt wurde. „Dass ein Dunkel neben dem offensichtlichen Alltag existiert und dass es so etwas mitten in Deutschland gibt, das will ich mit meinem Buch öffentlich machen“, sagt die Autorin, die lange mit sich gerungen hat, sich dem außerhalb ihrer Vorstellungskraft liegenden Stoff und der damit verbundenen Verantwortung zu nähern.

Ein Gespräch mit dem Therapeuten der Missbrauchten gab letztlich den Ausschlag. „Er hat mir versichert, dass man sich so eine Geschichte nicht aus den Fingern saugen kann“, erklärt Bannasch. Und so besteht ihr Buch denn auch aus zwei Teilen. Dem als „Märchen“ verklausulierten Missbrauchsgeschehen folgt die langwierige Aufarbeitung des Erlittenen, die am Ende auch als Mutmacher dient. „Milli hat gelernt, damit umzugehen und sich dem Leben zu stellen. Das zu zeigen, war mir wichtig“, sagt die Buchautorin. Denn strafrechtlich verfolgt wurde der Missbrauch bis heute nicht.

Buchinfo: Linda Prinz, „Millis Lebensmärchen“, 196 Seiten, tredition, Hamburg, 12,95 Euro, ISBN 978-3-8495-7703-2. Erhältlich im Buchhandel, über amazon.de oder den Verlag.

Von Karl Schönholtz

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